Perspektiven - Juni-Juli 2001
Inhalt: Muss
ein Opfer weh tun?
Geld: Schein- Heilig
Kann
den Börse Sünde sein?
Mühlan:
Sein Geld, mein Geld, unser Geld
Sein Geld,
mein
Geld,
unser Geld
Immer
wieder betonen Politiker und Medien durch Festreden, Zeitungsnotizen,
Zeitschriftenartikel und Fernsehsendungen, dass ihnen die finanzielle Situation
der Familie besonders am Herzen liege. Ständig geht es um das liebe Geld:
Einkommen und Kosten von Doppelverdienern und Familien werden miteinander
verglichen, die Ausbeutung der Familie im Rentensystem errechnet, die
Schwierigkeiten der Frauen beklagt, nach der Mutterpause wieder in den Beruf
einzusteigen.
Auch wenn die
Familien durch eine Verbesserung des Kindergeldes und eine Erhöhung der
Kinderfreibeträge entlastet wurden – Kinder zu haben »rechnet« sich immer
noch nicht. Die Statistiken fördern vielmehr den Neid auf Doppelverdiener und
Kinderlose, und die Zahl derer, die Kinder nur unter dem persönlichen
Kosten-Nutzen-Aspekt sehen, steigt.
Wir wünschen uns, dass Sie den Kopf heben
und sich sagen: »ich mach dieses Lamentieren und Aufrechnen nicht mit! Meine
Kinder werde ich nie als Kosten-Nutzen- Faktor sehen. Sie sind ein Geschenk
Gottes an mich (Ps, 12 7,3), für sie investiere ich gern meine Zeit, Energie
und auch mein Geld. Hier wird ,Reich Gottes’ gebaut! Das viele Geld, das ich für
sie ausgebe, fließt ins ‚Missionsfeld Familie’, und Gott wird, »...die
Fenster des Himmels öffnen und Segen ausgießen bis zum Übermaß« (Mal. 3,
10).
Gott ist für die Familie und wird sie nicht im Stich lassen! Das haben wir immer wieder erlebt. Der ideelle Reichtum, die Freude, Bereicherung und Erfüllung, die Kinder ihren Eltern - trotz allem Verzicht, aller Enttäuschungen und Schmerzen - geben, können reine Rechner gar nicht nachempfinden.
Mit
dem zufrieden sein, was da ist!
Der finanzielle
Rahmen für Familien ist knapp bemessen, darum müssen Sie klug planen und
lernen, mit dem auszukommen, was Ihnen zur Verfügung steht Das ist angesichts
verführerischer Werbespots und allzu schnell aufgedrängter Ratenzahlungen
nicht leicht. Wenn Sie als Familie knapp dran sind, bewahren Sie Ihre Zuversicht
und Ihr Vertrauen, dass Gott Ihnen beistehen wird. Befolgen Sie das biblische
Muster von Geldverwaltung, aber behalten Sie auch einen kühlen Kopf Erkennen
Sie die Grenzen Ihrer momentanen finanziellen Möglichkeiten, und lernen Sie es,
sich darin zu begnügen, worin Sie sind (Phil. 4,11).
Viele Reibereien könnten vermieden werden,
wenn ein Ehepaar seine finanziellen Grenzen von vornherein kennen und
akzeptieren würde. Sie müssen sich gemeinsam Zeit nehmen, die Fragen des
Lebensunterhaltes mit dem Ehepartner in Ruhe zu besprechen, und dabei Ausgaben
und Einnahmen ständig miteinander vergleichen.
Um eine biblische Grundlage für Ihre
Finanzverwaltung legen zu können, möchten wir Sie auffordern, zunächst einmal
folgende Fragen miteinander zu diskutieren und zu einer Übereinstimmung zu
kommen:
1.
Wem gehört das Geld?
In der
traditionellen Familie war (ist?) es so, dass der Mann das Geld verdiente und
seiner Frau, die Kinder und Haushalt versorgte, ein Haushaltsgeld gab –
oftmals auch noch knapp bemessen. Den Rest verwaltete er. Manche Frauen wussten
nicht, wie hoch sein Einkommen war und bekamen noch nicht einmal eine Gehaltserhöhung
mit. Er ging davon aus, dass es schließlich »sein« mühsam verdientes Geld
sei. In den heutigen, partnerschaftlichen Beziehungen verdient
jeder
sein eigenes Geld, führt sein eigenes Konto, feilscht mit dem Partner um die
gemeinsamen Ausgaben und achtet streng auf Gütertrennung – für den Fall,
dass das Liebesabenteuer schief gehen sollte. Was ist richtig?
Wenn
ein Paar den Ehebund vor Gott eingeht, dann werden sie »eins« – aus »mein«
wird «unser«. Allerdings mit dem Wissen, dass letztlich alles Gott gehört.
Alles, was hereinkommt, ob nun von ihm oder ihr verdient oder von seinen oder
ihren Verwandten geschenkt, ist ihr gemeinsames »Familieneinkommen«, das beide
in der Verantwortung vor Gott verwalten. Sie arbeiten schließlich beide für
ihre Familie: er außer Haus – sie zu Hause. Einem Ehemann, der nach wie vor
darauf besteht, es sei sein Geld, sollte einmal vorgerechnet werden, was der
Einsatz einer Hausfrau wert ist (nach den Berechnungen der Zeitschrift »FÜR
SIE« etwa DM 4.200,-). Wäre er bereit, ihr das zu zahlen?
Beide
sollten Einblick und Vollmacht über das bzw. die Gehaltskonten haben. Das ist
nicht nur ein Zeichen gegenseitigen Vertrauens. Wenn ein Partner durch Krankheit
oder einen Unfall die üblichen Bankgeschäfte plötzlich nicht mehr
erledigen kann, kann der andere sie sofort weiterführen.
Gütertrennung ist ein Misstrauensantrag«
an die Haltbarkeit des Ehebundes und sollte deshalb ohne schwerwiegende Gründe
nicht vereinbart werden. Aber nicht jeder lebt in einer vertrauensvollen
Beziehung, so dass es in Ausnahmesituationen weise sein kann, darauf zu
bestehen, vor allem, wenn es um die Sicherheit der Kinder geht.
2.
Wer soll der Verwalter sein?
Manche meinen,
der Mann als »Haupt« müsse unbedingt die Finanzen regeln. Wir denken, es ist
treffender, vom »Team-Verständnis« einer Ehe auszugehen, so wie es in 1. Mose
1,28 steht: »...füllt die Erde, und macht sie euch untertan...!« Als Team
machen sich Mann und Frau auch die Familienfinanzen untertan. Aber selbst wenn
ein Paar sich vornimmt das Budget gemeinsam zu bestreiten, wird in der Praxis
schließlich doch einer hauptsächlich Überweisungen und Schecks ausfüllen,
das Haushaltsbuch führen und Belege abheften. In der Regel sollte es der sein,
der die größere Begabung und Freude dazu hat. Aber auch der andere muss bereit
sein, den Überblick zu behalten und zu lernen. Es gibt genügend Männer (aber
auch Frauen), die aus Bequemlichkeit sagen:
»Mach mal, du kannst das doch besser«, aber ständig etwas zu beanstanden haben, wenn Schwierigkeiten auftauchen.
3.
Wie hoch soll das Haushaltsgeld sein?
Die Verwaltung
des Haushaltsgeldes ist logischerweise die Domäne der Hausfrau. Um den Überblick
nicht zu verlieren, sollte es auf Lebens- und Putzmittel beschränkt bleiben und
nicht noch Kleidung, Kosmetik, Geburtstagsgeschenke und sonst etwas beinhalten.
Wenn Frauen meinen, die Summe sei zu gering,
und ständig um eine Erhöhung kämpfen müssen, sollten sie ihre monatlichen
Ausgaben (mit Belegen) vorlegen und ihren Mann um konkrete Tipps zum besseren
Einteilen und Sparen bitten. Auch die Aufforderung, die Einkäufe eine Zeit lang
selbst zu tätigen, kann manch einem Mann die Augen dafür öffnen, dass die
Kosten ständig steigen. Sich nur Vorwürfe zu machen, ohne konkret zu werden,
erhitzt dagegen nur die Gemüter. Es ist auch keine Lösung, heimlich Geld zurückzulegen
oder für andere Ausgaben abzuzwacken. Wer einmal mit dieser Heimlichtuerei
beginnt, verbaut sich die Möglichkeit für offene Gespräche.
Natürlich kann es auch sein, dass die Hausfrau im Verhältnis zum Familieneinkommen zu viel für den Haushalt ausgibt und der Ehemann deswegen die Ausgabenbremse zieht. Hier hilft nur ein gemeinsamer, realistischer Überblick über die Grenzen der tatsächlichen finanziellen Möglichkeiten. Ein Tipp zur Orientierung: Experten schlagen vor, dass Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel 25% des Einkommens nicht überschreiten sollten.
4.
Taschengeld nur für Kinder?
Kindern steht
Taschengeld zu, nicht nur, damit sie sich kaufen können, was sie wollen, sondern
auch, damit sie lernen, mit Geld umzugehen.
Aber was ist mit den Eltern? Steht ihnen
nicht auch eine Summe zur persönlichen Verfügung zu? Wir meinen ja! Besonders
die Paare, die sich über die persönlichen Ausgaben des anderen schnell in die
Haare geraten, sollten sich unbedingt einen Posten zugestehen, über den jeder
ungefragt verfügen darf. Er regt sich zum Beispiel auf, dass sie so viel Geld für
Kosmetik verplempert und ihr geht nicht in den Kopf, dass er sich noch ein
teures Computer Fachbuch kaufen muss...
Zur Höhe des persönlichen Taschengeldes wollen wir keine Angaben machen. Die hängt nämlich ganz vom Familieneinkommen und dem ab, was jeder davon zu bestreiten hat. Wir legen Ihnen nur nahe: Wenn Sie es sich erlauben können, dann verfahren Sie großzügig miteinander. Es ist einfach schön, wenn man auch den Ehepartner einmal mit einem Geschenk oder einer Einladung überraschen kann.
5.
Und was ist mit Krediten?
Die Bibel warnt häufig
und strikt davor, Schulden zu machen: »Bleibt niemand etwas schuldig...«, heißt
es in Röm. 13,8 oder »...der Schuldner ist seines Gläubigers Knecht« in Spr.
22,7. Sie sollten zwischen sogenannten »Kleinkrediten« und »wertehaltenden
Krediten«, wie z.B. für den Erwerb eines Hauses oder die Erweiterung eines
Geschäftes, unterscheiden.
»Kleinkredite« oder Ratenverträge mit
langer Laufzeit sind häufig der Anfang vom Ende. Wenn man z. B. ein Auto zu
Schrott fährt, das erst zu einem Drittel abbezahlt ist oder wenn für Waschmaschine
und Fernseher schon Reparaturen anfallen, obwohl sie noch viele Monate lang
abgestottert werden müssen, kommt man schnell in die roten Zahlen, und das kann
einen ohnehin knapp kalkulierten Finanzplan völlig zunichte machen. Experten
raten, bei Ratenkäufen wenigstens ein Drittel des Kaufpreises bar aufzubringen
– besser mehr Alle anderen Regelungen können existenzbedrohend sein. Wir
selbst wollen keinen einzigen Kleinkredit aufnehmen.
Ängste und Sorgen über Kredite, die
einfach nicht mehr aufzubringen sind, können einer Ehebeziehung schwer
zusetzen, besonders wenn einer dem anderen Vorwürfe wegen des Dilemmas macht.
Aber auch dann muss sich ein Paar zu gegenseitiger Vergebung durchringen und
evtl. mit Hilfe anderer beraten, wie sie den Schuldenberg abtragen und einen
weiteren vermeiden können.
Bürgschaftsverpflichtungen können
verheerende Wirkungen hoben. Wenn Männer z.B. für ihren Betrieb Geld leihen,
lassen die Kreditinstitute die Ehefrauen als Bürge oder Mitschuldner
unterschreiben. Dann sind es auch ihre Schulden – und zwar in voller Höhe.
Wenn beim Mann nichts zu holen ist, halten sich die Banken an die Frau. Wenn die
Ehepartner das Geld für eine gemeinsame Sache brauchen, z.B. für den Hauskauf
oder als Geschäftsgrundlage, ist es in Ordnung, dass die Frau mit
unterschreibt, vorausgesetzt das Risiko ist kalkulierbar. Aber für die
Finanzierung eines flotten Sportwagens in einer finanziell engen Zeit sollte
eine Frau keine Verpflichtung blind unterschreiben.
Experten raten, wenn möglich, ein Monatsgehalt für plötzliche Ausgaben anzusparen. Solch eine vernünftige Sparrücklage hilft, bei unvorhergesehenen Ausgaben keinen Kredit mit hohen Zinsen aufnehmen zu müssen. Die Bibel fordert uns immer wieder auf, mit dem zufrieden zu sein, was wir haben und auf Gott, unseren Versorger zu vertrauen. »Euer Leben sei frei von Habgier; seid zufrieden mit dem, was ihr habt; denn Gott hat versprochen: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht« (Hebr 13,5). Sie sollten sich als Ehepaar immer wieder ermutigen und ermahnen, sich an diese befreienden, biblischen Prinzipien zu halten.
6.
Was ist wirklich nötig?
Larry Burkett
unterscheidet zwischen Lebensnotwendigkeiten, Wünschen und Sonderwünschen. Das
hat uns sehr geholfen, unser Familieneinkommen einzuteilen:
• Lebensnotwendigkeiten
Es gibt notwendige Dinge, die man einfach
haben muss. Dazu gehören etwa Lebensmittel, Kleider, alles, was mit dem Beruf
zu tun hat, ein Haus oder eine Wohnung, medizinische Anwendungen u. ä.
• Wünsche
Damit meine ich Entscheidungen in Bezug auf
die Qualität der Dinge, die man kauft. Hier fragt man sich beispielsweise:
modische Kleidung oder einfache, zweckmäßige Kleidung, ein Riesensteak oder
eine simple Frikadelle, ein neues Auto oder ein Gebrauchtwagen usw.
• Sonderwünsche
Auch das können noch Entscheidungen noch
Gottes Plan sein, aber sie können nur dann aus einem Überschuss finanziert
werden, wenn man alle laufenden Verpflichtungen erledigt hat
Wenn Sie sich grundsätzlich daran halten, sich »Sonderwünsche« nur zu genehmigen, wenn Sie einen Überschuss in der Kasse haben und Ihre Wünsche sorgsam je nach Kassenstand abwägen, werden Sie sich vor einer Schuldenfalle bewahren und Ihr Familieneinkommen zufriedenstellender einteilen können.
Claudia
und Eberhard Mühlan
Aus »freiheit
und kraft«,
Zeitschrift von Weisses Kreuz, Schweiz.