Perspektiven  - Februar-März 2001
Inhalt:  "Ich glaube nur, was ich sehe"            Bionik und das Original     
           Von der Perfektion der Kakteen...     Ein schier unlösbares Treibstoffproblem


Ein schier unlösbares Treibstoffproblem

 

Goldregenpfeifer, wenn ich bitten darf! Sie kennen mich nicht? Nun, ich bin etwa so groß wie eine Tau­be, und fliegen kann ich auch. Aber das ist schon fast alles, was ich mit meiner Vogelkollegin ge­meinsam habe. Betrachten Sie nur mein Gefieder: Mein Nacken ist schwarz wie ein Ofenrohr - auch Scheitel, Mantel und Rücken glänzen schwarz. Aber dann schauen Sie, wie wunderschön mein Schöpfer jede einzelne meiner Federn umrahmt hat. Sehen Sie, wie obenauf alles goldgrün schimmert? Schließlich heiße ich nicht umsonst »Goldregen­pfeifer«. »Pluvialis dominica fulva«, wie die Wissenschaftler sagen. Gott hat jedem seiner Ge­schöpfe etwas Besonderes geschenkt, finden Sie nicht auch?

Eine Mulde
auf Dauerfrostboden

Ich bin in Alaska geboren, andere meiner Artgenossen in der ostsibirischen Tundra, Gegenden also, wo der Boden selbst im Sommer nur oberflächlich auftaut. Dort wachsen nur niedrige Sträucher, Moose, Heidegewächse und Flechten. Dort in der offenen Tundra zerbrach ich die Schale meines Eies, in dem ich 26 Tage lang gestaltet wurde. Zusammen mit meinen Geschwistern fand ich mich in einer klei­nen Bodenmulde wieder, die mit Moos und trockenen Blättern ausgepolstert war. Unsere Eltern fütterten uns, wie Sie sich denken können, mit Vitami­nen und Eiweißen, mit Obst und Fleisch in Form von säuerlichen Moosbeeren, fetten Raupen, schwarzen Krähenbeeren und knackigen Käfern.

So wuchsen wir schnell heran. Bald lernten wir fliegen. Das ist wunderbar! Anders ist es beim Laufen. Wenn Sie mir nachschauen, fangen Sie sicher an zu lachen. ja, ja, Sie haben schon recht, es ist ein Schaukelgang. Mein Schöpfer hielt es eben für rich­tig, mich so zu konstruieren. Denken Sie etwa ernstlich, ich wäre, so wie ich bin, durch einen »Zufall« - andere nennen das etwas hochtrabender eine »Selbstorganisation der Materie« - entstanden?

Und wissen Sie auch, dass ich bis nach Hawaii fliege? ja, das ist tatsächlich eine ungeheure Strecke. Wie ich das bewältigt habe, fragen Sie? Ganz einfach: ich bin geflogen. Mein Schöpfer hat mich nicht zum Schnellläufer und Rekordschwimmer gemacht. Ich kann dafür um so besser fliegen! Das will ich Ihnen noch beweisen.

Ein 50%iges Übergewicht

Meine Geschwister und ich waren erst ein paar Monate alt. Wir hatten kaum fliegen gelernt, da ver­ließen uns schon unsere Eltern. Sie flogen nach Ha­waii voraus. Doch das wussten wir damals noch nicht. Ehrlich gesagt, interessierten wir uns auch nicht dafür. Im Gegenteil: Wir hatten vor allem großen Appetit und fraßen uns dick und fett. In kur­zer Zeit nahm ich um 70 Gramm zu, dass heißt, um mehr als die Hälfte meines Körpergewichts. Das müssen Sie sich erst einmal vorstellen! Wissen Sie, wie Sie aussehen würden, wenn Ihnen in drei Mona­ten das gleiche passieren würde, wenn Sie statt 80 Kilogramm auf einmal zweieinhalb Zentner auf die Waage brächten?

Nun möchten Sie bestimmt erfahren, warum ich so viel fresse. Ganz einfach: Mein Schöpfer hat mich so programmiert. Ich brauche dieses zusätzliche Körpergewicht als notwendigen Treibstoff für die Flugreise von Alaska bis nach Hawaii. Das sind na­hezu 4500 Kilometer. Ja, ja, Sie haben sich nicht ver­hört! Aber es kommt noch besser: Auf der ganzen Strecke kann ich mich nicht ein einziges Mal aus­ruhen. Leider gibt es unterwegs keine Insel, kein Ei­land, kein trockenes Fleckchen; und schwimmen kann ich ja nicht, wie Sie wissen.

Eine
Viertelmillion Liegestütze

Meine Altersgenossen und ich fliegen 88 Stunden - also drei Tage und vier Nächte lang - ununterbrochen über das offene Meer. Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass wir dabei die Flügel 250 000 mal auf- und abbewegen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten eine Viertelmillion Liegestütze machen; das etwa wäre ein angemessener Vergleich.

Nun fragen ich Sie: Woher wusste ich, dass ich mir genau 70 Gramm Fett anfressen musste, um bis Hawaii zu kommen? Und wer sagte mir, dass ich nach Hawaii soll und in welche Richtung ich da fliegen muss? Ich bin doch die Strecke vorher noch nie abgeflogen! Unterwegs gibt es keinerlei Orientierungspunkte. Wie haben wir die winzigen Inseln im Pazifischen Ozean finden können? Denn hätten wir sie nicht gefunden, wären wir bei dem zu Ende gehenden Treibstoff ins offene Meer gestürzt. Viele hundert Kilometer ringsum ist doch nichts als Wasser!

Ein Autopilot

Immer noch zerbrechen sich Ihre Wissenschaftler den Kopf darüber, wie wir unseren Flugkurs bestimmen und korrigieren können, denn nicht selten werden wir auf unseren Flügen von Stürmen abgetrieben. Wir fliegen durch Nebel und Regen, und unabhängig von Sonnenschein, sternklarer Nacht oder völlig bedecktem Himmel kommen wir immer ans Ziel. Doch selbst wenn Wissenschaftler eines Tages etwas darüber herausfinden könnten, wüssten sie immer noch nicht, wie diese staunenswerten Fähigkeiten entstanden sind. Ich will es ihnen verraten. Gott, der Herr, baute uns einen Autopiloten ein. Ihre Düsenjets haben ähnliche Navigationsinstrumente. Sie sind mit Computern gekoppelt, die ständig die Flugposition messen und sie mit dem einprogrammierten Kurs vergleichen, um dann die Flugrichtung entsprechend anzupassen. Unser Navigationssystem hat der Schöpfer auf die Koordinaten der Hawaii-Inseln einprogrammiert, so dass wir mühelos Kurs halten. Bedenken Sie nur: Dieser Autopilot ist auf kleinstem Raum untergebracht, und er arbeitet absolut betriebssicher.

Glauben Sie immer noch, das alles sei zufällig so geworden? Ich nicht! Überlegen Sie doch einmal: Ein Ur-Goldregenpfeifer - was immer auch das gewesen sein mag - hätte sich rein zufällig 70 Gramm Fett angefressen? Meinen Sie, dass er dann ebenso zufällig auf die Idee kam loszufliegen? Flog er wiederum zufällig in die richtige Richtung? Wurde er über 4000 km nicht abgetrieben? Und fand er wiederum zufällig die richtigen Eilande im Ozean?

Und dann wären da ja noch die jungen Goldregenpfeifer. Hätten sie die gleichen Zufälligkeiten noch einmal erleben können? Bedenken Sie doch: eine winzige Abweichung vom programmierten Kurs würde genügen, und alle würden rettungslos zugrunde gehen.

Eine genau
festgelegte
Geschwindigkeit

Aber ich habe Ihnen noch nicht alles erzählt. Wenn ich die 4500 Kilometer in 88 Stunden fliege, beträgt meine Fluggeschwindigkeit etwa 51 Kilometer in der Stunde. Inzwischen haben Wissenschaftler er­mittelt, dass das für uns die ideale Geschwindigkeit ist. Wenn wir langsamer fliegen, verbrauchen wir einen zu großen Treibstoffanteil allein für den Antrieb. Flögen wir schneller, würden wir zu viel Ener­gie zum Überwinden der Luftreibung verschwenden. Bei Ihrem Auto ist das ganz ähnlich. Wenn Sie schneller als 110 Stundenkilometer fahren, verbrauchen Sie aufgrund des stark ansteigenden Luftwiderstandes ständig mehr Benzin für die gleiche Strecke. Nur - Sie können an der nächsten Tankstelle halten, ich nicht. Ich muss mit den 70 Gramm Fett ans Ziel kommen, und das auch noch bei gelegentlichem Gegenwind.

Ein
Rechenexempel

Können Sie gut rechnen? Nun, dann greifen Sie ein­mal zu Ihrem Taschenrechner. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir Goldregenpfeifer pro Flugstunde 0,6 % unseres jeweiligen Körpergewichts in Bewegungsenergie und Wärme umsetzen. Übrigens sind Ihre Fluggeräte weitaus schlechter konstruiert. So braucht beispielsweise ein Hub­schrauber im Verhältnis zu seinem Gewicht sieben­mal und ein Düsenjäger sogar zwanzigmal mehr Treibstoff als ich.

Zu Beginn des Fluges wiege ich 200 Gramm; 0,6 % davon sind 1,2 g. Also wiege ich nach einer Stunde noch 198,8 g. Davon 0,6 % sind 1,19 g. Diese von 198,8 g abgezogen, ergeben 197,61 g. Soviel wiege ich nach der zweiten Flugstunde. Davon wieder 0,6 % abgezogen... Na, machen Sie noch mit? Sie werden es noch sehen, auch die Mathema­tik dient zur Ehre Gottes.

Am Ende meiner Reise darf ich nicht weniger als 130 g wiegen, denn bei diesem Gewicht sind alle meine Reserven erschöpft, und ich müsste ins Meer stürzen und ertrinken. Rechnen Sie darum bitte weiter: Nach der dritten Stunde wiege ich noch 196,42 g, nach der 4. noch 195,24 g ... Rechnen Sie nur – ich warte...

Was ist? Ach so, Sie meinen, die Rechnung kann nicht aufgehen; und Sie sind sicher, ich würde mit meinen 70 g Fett nicht ans Ziel kommen? Sie haben festgestellt, dass ich 82,2 g Fett benötige. Das stimmt, Sie haben korrekt gerechnet: Nach 72 Flugstunden wäre alles »Treibfett« vollständig verbraucht, und ich müsste 800 Kilometer vor dem Ziel ins Meer stürzen.

Eine einzigartige Lösung

Sehen Sie, auch das hat mein Schöpfer wohl bedacht. Er gab jedem von uns zwei lebenswichtige Informationen mit:

»1. Fliege nicht allein über das große Meer, sondern immer in Gemeinschaft mit anderen« – und –

»2. Ordnet euch bei diesem Flug immer in Keilformation an!« Im Keilflug spart - im Gesamtmittel gerechnet - jeder gegenüber dem Einzelflug 23 % Energie ein. Natürlich gilt diese Einsparungsrate nicht für den jeweiligen Vormann an der Pfeilspitze, aber er trägt die Last ja auch nicht ständig. Die Stärksten wechseln sich vorne ab, denn dort ist die Belastung am größten und im hinteren Teil der Kette wird entsprechend weniger Energie benötigt. So praktizieren wir in der Gemeinschaft eine Verhaltensweise, die in Ihrer Bibel als das Gesetz Christi bezeichnet wird: »Einer trage des andern Last« (Gal 6,2). So können wir unser Winterquartier sicher erreichen. Jeder von uns hat sogar noch ein paar Gramm Fett übrig. Unser Schöpfer plante das für den Fall ein, dass auch einmal Gegenwind aufkommen kann. Er hat uns auch darin wunderbar versorgt.

Glauben Sie immer noch, der Zufall hätte mich geschaffen und hierher geführt? Ich nicht! Ich pfeife auf den Zufall! Aber meinen Schöpfer, den will ich loben: »Tlüh, tjüih!«

Aus »Wenn Tiere reden könnten«, Werner Gitt und K.-H. Vanheiden, Christliche Literatur-Verbreitung. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

 

Wenn Tiere reden könnten

In ihrem Buch »Wenn Tiere reden könnten« lassen Werner Gitt und K.-H. Vanheiden die Tiere selbst zu Wort kommen. Sie berichten, mit welchem Ideenreichtum, welcher Fürsorge und welcher Liebe zur Schönheit der Formen und Farben der Schöpfer sie ausgestattet hat. Dabei sind alle genannten Fakten wissenschaftlich abgesichert und lassen im Hinblick auf die Schöpfung letztlich nur eine Schluss­folgerung zu: »Einfach genial«.