Perspektiven  - Februar-März 2001
Inhalt:  "Ich glaube nur, was ich sehe"            Bionik und das Original     
           Von der Perfektion der Kakteen...     Ein schier unlösbares Treibstoffproblem


Bionik und das Original

 

Es ist eigentlich immer schön, mit Menschen zu sprechen, die von einer Sache begeistert sind. Da wird alle künstliche Seriosität über den Haufen geworfen und es sprudelt nur so.

Ich denke an das Gespräch, in dem mir jemand begeistert die Erfindung des Navigationsgeräts fürs Auto erklärt hat: Du sitzt in deinem PKW, gibst das Reiseziel an und eine freundliche Stimme dirigiert dich durch den Straßenverkehr, vorbei an Staus und Baustellen. Das ist doch was!

Oder ich denke an das Staunen meines Vaters, als eine nächste Handy-Generation auf den Markt kam: »Da musst du bei Ralfs Handy nur noch den Namen des gewünschten Gesprächspartners nennen, und dann wählt das Gerät von alleine...«  Ja, die verschiedenen Erfindungen sind schon beeindruckend, besonders dann, wenn man von der Materie selbst nicht so viel Ahnung hat. (Wenn ein Experte mir Zusammenhänge erklärt, dann denke ich manchmal schon: Ach, das hättest du eigentlich auch erfinden können.) Das kreative Vorwärtsdenken und Problemlösen ist ja auch eine Fähigkeit, die Gott uns Menschen mitgegeben hat.

Aber Gottes Werke sind immer noch viel mehr zu bestaunen. Sie haben irgendwie auch eine ganz andere Qualität: die Genialität ist erheblich größer und Gott produziert niemals Abfall, seine Werke sind allesamt in einen wunderbaren Lebenskreislauf integriert.

Seitdem ich Kompostierer unseres Garten- und Haus-Bio-Mülls geworden bin, möchte ich die Begriffe Gartenabfälle und Bio-Müll eigentlich gar nicht mehr in den Mund nehmen. Denn es gibt in diesem Bereich gar keinen Müll. Ich muss meinen »Biomüll« nur einige Monate stehen lassen und habe dann 1A-Komposterde. Gottes Wunderwerk im Kleinen.

Ich habe mal im Internet die Seiten des Bundesumweltamtes (Berlin) durchgeblättert: wie viel Müllsorten produzieren wir Menschen, die endgelagert werden müssen! Von all den Abgasen, die von unserem Erdball aufsteigen, einmal ganz zu schweigen.

Wie genial wirken dagegen Gottes Werke, die fliegen, schwimmen, »fahren«, senden – und das alles ohne Umweltverschmutzung.

Einige Beispiele
für Gottes perfekte Schöpferkreativität

Dirk Maxeiner hat kürzlich in der WELT den Käfer Onymacris als Einleitung zu seinen ökonomisch-politischen Ausführungen beschrieben: »Früh am Morgen liegt über der Namib-Wüste in Südwestafrika ein Nebelhauch. Kleine schwarze Käfer erklimmen die Sanddünen und verharren bewegungslos oben auf dem Kamm. Ihre Haltung erinnert an eine bizarre Morgenandacht: Der Kopf zeigt nach unten und das Hinterteil in die Höhe. Die Feuchtigkeit des Nebels kondensiert auf ihrer Außenhaut und gerinnt zu Wassertröpfchen. Diese rinnen über Bauch und Rücken hinunter zum Mund. So deckt der Schwarzkäfer Onymacris seine Tagesration an Wasser. In der Namib-Wüste regnet es praktisch nie. Dem kleinen Tausendsassa kann dies völlig egal sein. Er läuft und läuft.«

Neben der liebevollen Erinnerung, dass wir Christen auch allmorgendlich unsere lebensnotwendige Ration vom Herrn empfangen müssen, fasziniert doch auch einfach schon der komplexe Zusammenhang. Gottes Wunder im Kleinen!

Bionik

Prof. Werner Gitt versteht es, die Wunder Gottes sehr präzise herauszustellen und zum Staunen zu führen: »Das Eisbärfell ist eine solarbetriebene Wärmepumpe und wirkt außerdem als transparentes Isolationsmaterial. Das Fell hat die Fähigkeit, fast den gesamten Ultraviolettanteil des Sonnenlichts in Wärme umzuwandeln. Die Fellhaare sind so konstruiert, dass sie Licht aus jeder Richtung einfangen können.« Oder: »Reifenhersteller interessieren sich dafür, wie Eisbären sich trotz ihres hohen Gewichtes auf sehr glattem Untergrund schnell und sicher bewegen oder warum Geckos an der Decke laufen können, ohne herunterzufallen. Für die Entwicklung neuartiger Reifen könnte die Rutschfestigkeit und Haftung ihrer Füße als Vorbild dienen.«

Oder: »Termiten bauen monumentale Wohnungen mit einem raffiniert ausgeklügelten Kühlsystem. Könnten wir ein Haus bauen, so groß wie das Matterhorn, das Platz bietet für alle Einwohner des Großraums München? Dabei müsste das Innere des Berges dank integrierter Klimaanlage mit optimierter Sauerstoffversor­gung und Kohlendioxidbeseitigung stets behaglich sein. So etwas bauen die afrikanischen Großtermiten, die ihre rund zwei Millionen Bewohner umfassenden Völker in bis zu sieben Meter hohen Zementburgen unterbringen.« (Quelle: factum 7/8 2000)

Bionik heißt das neue Fachgebiet, in dem der Mensch versucht, die Konstruktionen und chemisch-physikalischen Raffinessen in der Natur zu beschreiben und in für uns nützlichen Erfindungen nachzubauen.

Gott selbst ist der eigentliche Erfinder. Seine Schöpfung soll uns darum vorrangig zum Staunen und zur Anbetung führen.

Wohin wir auch schauen, entdecken wir ungeheure Kreativität, perfekte Farb­zusammenstellung, Perfektion bis ins Detail. Die Schöpfung ist Gottes Schaufenster. Paulus schreibt in Römer 1,20: »Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt.« Und mit unseren mikroskopischen Analysemethoden können wir heute noch bedeutend mehr erkennen und beschreiben als die Menschen der Antike.

In den Psalmen finden wir David häufig damit beschäftigt, Gott in seiner Schöpferherrlichkeit zu rühmen. Sollten wir David darin nicht noch übertreffen? Manchmal bedauere ich es, dass wir in unserem Liederbuch nicht noch mehr Titel in der Rubrik »Lob dem Schöpfer« haben...

Aber einen Schritt tue ich jedes Mal innerlich, wenn ich wieder etwas Bewundernswertes in Gottes Schöpfung entdeckt habe – ich bete: »Herr, wenn du dieses Tier so kunstvoll, so einzigartig lebensfähig konstruiert hast, wieviel mehr wirst du alle Details in meinem Leben zusammenfügen, so dass es am Ende ein einmaliges Ganzes ergibt, das dich in deiner unerschöpflichen Weisheit verkündet. Ich vertraue dir. Ich will dir gehorchen. Gestalte du.«

Und so darf und sollte jeder von uns beten, auch wenn unser Lebensalltag sehr unterschiedlich ist. Das ist ja auch gerade das Erstaunliche in Gottes Schöpfung: Jedes Tier ist anders, ist auf seine Weise bis ins Detail genial erdacht und gemacht. Jedes Tier ist in seinem Umfeld lebensfähig. Und die Summe der Geschöpfe ergeben ein wunderbares Ganzes, eine vielfältige Einheit.

Wenn ich das auf uns Christen und auf die Gemeinde übertrage, bin ich gleich bei dem erhebenden Pauluswort: »...Jetzt sollen alle Mächte und Gewalten an der Gemeinde die unendliche Weisheit Gottes erkennen« (Epheser 3,10). Was für eine hohe Bestimmung soll und darf unser Christenleben haben. Ich will meinem Gott vertrauen, dass er sich vor der Himmelswelt schon nicht blamieren wird. Ich will treu sein, in meinem eigenen Christsein und in meinem »Gliedsein« in der Gemeinde Gottes.

Rainer Klinner