Perspektiven - April-Mai 1999
Inhalt: Wer
ist eigentlich dieser Jesus?
Wycliff: Das Blut des Bräutigams
An
die Auferstehung Christi glauben
Fakten
zur Auferstehung
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»Wer ist
eigentlich dieser Jesus?« |
Meinst
du die Frage ernst? Dann mache dich auf etwas gefasst:
Die
Bibel stellt die Behauptung auf, dass Jesus Christus Gottes Sohn, sogar Gott
selbst ist, als Mensch auf dieser Erde geboren wurde und auf ihr lebte, am Kreuz
für die Sünden der Menschheit starb, begraben wurde und drei Tage später vom
Tod auferstand. Auf die Frage, wer Jesus Christus im Hinblick auf seine Gottheit
ist, kann man folgende Antworten untersuchen:
Er
war ein Lügner!
Wenn Jesus wusste, dass sein
Anspruch, Gott zu sein, nicht stimmte, dann war er in der Tat ein Lügner. Aber:
Jesus hatte nicht den Lebensstil eines Lügners. Er lehrte andere gar,
aufrichtig zu sein. Und wenn Menschen Jesus Christus begegneten wurden sie
ehrlich zu sich selbst und anderen; Sünden kamen ans Tageslicht; Lügen konnten
nicht bestehen; Diebe wurden ehrlich, Drogenabhängige kamen von ihrer Sucht
los; aus hassenden Menschen wurden liebende. Letzteres wäre nicht der Fall bei
einer heuchlerischen oder verlogenen Person. Jemand, der so authentisch wie
Jesus lebte, lehrte und starb, kann daher kein Lügner sein.
Er
war ein Geisteskranker!
Man kann etwas ernst meinen und
sich doch irren. War das bei Jesus der Fall? Wenn er sich für Gott hielt, war
er möglicherweise geisteskrank (so als hielte sich heutzutage jemand für
Napoleon Bonaparte)? Auch hier gibt eine Analyse des Handelns und Redens von
Jesus keine Argumente dafür her. Das Leben eines entsprechenden Geisteskranken
spielt sich in einer spezifischen Scheinwelt ab; es ist abnorm und auffällig.
In Jesus Christus haben wir jedoch einen Mann, der einige der tiefgehendsten
Aussagen traf, die je überliefert wurden. Durch sein Handeln wurden Menschen
vielmehr aus ihren psychischen Zwängen befreit und nicht noch mehr verwirrt.
Jesus Christus war also auch kein Geisteskranker.
War
er Gott?
Hatte er also recht mit seinem
Anspruch, Gottes Sohn, ja Gott selbst zu sein? Es gibt außer diesen drei Möglichkeiten
keine denkbaren Antworten auf die Frage: Wer ist Jesus Christus?
Eine der angeführten Möglichkeiten muss wahr sein: Lügner, Verwirrter oder
Gott! Welche Antwort ist die glaubwürdigste? Ist es wichtig, darauf eine
Antwort zu geben? – Und ob!
Man kann Jesus nicht für einen bedeutenden Lehrer
moralischer Prinzipien halten und nicht mit seinem Leben entsprechend darauf
antworten. Das Umgehen einer Antwort ist im Prinzip die Ablehnung Jesu als Gott.
Wenn Jesus wirklich so ein tolles moralisches Vorbild war, wie reagiert man dann
auf seinen Anspruch, Gott zu sein? Wenn er hingegen ein Lügner oder
Geisteskranker war, kann er dann als großer Sittenlehrer bezeichnet werden?
Also doch Gott? Der Apostel Johannes schreibt: »Dies ist
geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und
damit ihr durch den Glauben das Leben habt, in seinem Namen.« (Joh 20,31)
Die Auferstehung
Im folgenden soll die Frage nach
der Auferstehung skizzenhaft erörtert werden. Die Auferstehung ist der »springende
Punkt«, weil Christus seine Auferstehung als den Beweis dafür anführte, dass
er Gott war. Im Neuen Testament wird davon berichtet, daß Jesus Christus nach
seiner Kreuzigung in ein einzelnes Felsengrab gelegt wurde, das mit einem Stein
verschlossen wurde. Als drei Tage nach der Grablegung einige Frauen zu dem Grab
kamen, stellen sie fest, dass der Stein weggerollt wurde und das Grab leer ist.
Jesu Jünger behaupteten daraufhin, Gott habe ihn von den Toten auferweckt. Er
sei ihnen mehrere Male erschienen, bevor er schließlich in den Himmel auffuhr.
Ist das Neue Testament zuverlässig?
Es gibt kein besser belegtes
Dokument als das Neue Testament. Es gibt zur Zeit etwa 24.000 frühe
Manuskripte, die das Neue Testament so belegen, wie wir es heute kennen. Archäologische
Ausgrabungen haben bisher immer gezeigt, dass die Angaben in der Bibel in bezug
auf Orte, Ereignisse und Personen völlig korrekt sind. Wissenschaftler, auch
solche, die der Bibel sehr kritisch gegenüber stehen, kommen zu dem Schluss,
dass es keinen ernsthaften Grund gibt, die Genauigkeit und Korrektheit der heute
vorliegenden Dokumente in Bezug auf die Originalschriften des Neuen Testamentes
anzuzweifeln. Sogar Wissenschaftler, die es sich zur Aufgabe gesetzt hatten, die
Authentizität des Neuen Testamentes zu widerlegen, gestehen dessen Echtheit,
nach gründlichen Forschungen, ehrlicherweise ein.
Augenzeugen
Es haben genügend Menschen alle
Umstände der fraglichen Auferstehung miterlebt, auch die Feinde Jesu und seiner
Nachfolger. Die Verfasser des Neuen Testamentes berufen sich entweder auf eigene
Beobachtungen oder auf die Informationen, die als allgemein bekannt galten.
Sollten diese Aussagen nicht richtig sein, so hatte es genügend Menschen
gegeben, die an einer Richtigstellung großes Interesse haben mussten. Und jene
Menschen verfolgten aufmerksam, was über Jesus Christus gesagt oder geschrieben
wurde. So entsteht das Prinzip des Kreuzverhörs, das dazu dient, den
Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge herauszufinden. Ein Zeuge wird so
entweder in seiner Glaubwürdigkeit bestätigt oder seiner Unglaubwürdigkeit
wird entlarvt. Es gibt jedoch keine Zeugenberichte, die gegen die Richtigkeit
der neutestamentlichen Angaben sprechen.
Die Nachfolger Jesu gaben an, er sei ihnen in den 40 Tagen,
die der Auferstehung folgten, zahlreiche Male erschienen und hätte sich
unmissverständlich zu erkennen gegeben. Paulus berichtet zusätzlich, dass mehr
als 500 Menschen ihn gleichzeitig sahen. Zu seiner Wirkungszeit lebten noch
etliche dieser Personen.
Nicht nur die Tatsache, dass die Auferstehung Jesu von
Menschen bezeugt wurde, ist ein
Beweismittel. Auch der Unterschiedlichkeit der zahlreichen Zeugen und
Situationen ist Beachtung zu schenken: Nicht zwei Zeugenberichte sind
identisch; zu den unterschiedlichsten Tageszeiten und in den unterschiedlichsten
Situationen trat Jesus als Auferstandener auf. Er rief dabei von Freude bis
Furcht unterschiedliche Reaktionen hervor. Sogar feindlich gesonnenen Menschen
erschien Jesus Christus nach seiner Auferstehung: z.B. Saulus von Tarsus. Aus
Saulus dem Christenverfolger wurde später Paulus der Christusnachfolger.
Das
leere Grab
Jesu Leichnam wurde in ein
massives Felsgrab gelegt. Dieses wurde mit einem 1500 bis 2000 Kilogramm
schweren Stein, der unter Zuhilfenahme von Hebeln vor den Eingang des Grabes
gerollt wurde, verschlossen und mit einem römischen Siegel behaftet. Eine Beschädigung
des Siegels hätte einen Affront gegen das römische Recht bedeutet. Das
Aufbrechen eines römischen Siegels hätte für den Verursacher zur Folge
gehabt, grausam hingerichtet zu werden. Eine Wacheinheit, also 16
kampfgewohnte römische Soldaten, wurden als Wache für dieses Grab abgestellt.
Und trotzdem war drei Tage später das Grab leer. Sogar die Feinde Jesu
erkannten an, dass das Grab leer war. Diese Tatsache wird nicht nur im Neuen
Testament sondern auch bei dem renommierten Geschichtsschreiber Josephus und
in einer Sammlung jüdischer Schriften erwähnt. Wenn sogar eine feindliche
Quelle das leere Grab bezeugt, gilt das nach heutiger Rechtsauffassung als
unumstößliche Tatsache. Interessanterweise bemühten sich die Juden auch
nicht, dass leere Grab wegzudiskutieren, sondern waren bemüht, ein Gerücht
über die Umstände in die Welt zu setzen, wie es dazu hatte kommen können. Der
Stein war nicht nur so weit zur Seite gerollt, dass ein Mensch hindurchschlüpfen
konnte. Er war vollständig weggerollt worden. Ohne die Aufmerksamkeit der
Wachen zu erregen, hätte niemand solch eine Gewaltaktion zustande bringen können.
Das
Leinengewand
Zu damaliger Zeit wurden die mit
Stoff umwickelten Leichname mit einer durch aromatische Gewürze hergestellte
klebrige Masse eingestrichen. Die so entstandene Hülle war etwa 110 Pfund
schwer. Die Bibel berichtete darüber, dass diese Leichenhülle Jesu an der
Stelle zurückblieb, an welcher der Körper Jesu hingelegt wurde. Dem Apostel
Johannes scheint dieses sehr erstaunliche Phänomen, zum Glauben an Jesu
Auferstehung mitverholfen zu haben.
Eine
römische Wacheinheit sucht das Weite
Die Wachen flohen vom Grab,
entgegen des Befehls, den sie erhalten hatten. Eine Befehlsverweigerung war bei
römischen Soldaten sehr unwahrscheinlich, da sie ständig durch mögliche
Todesstrafen für Nachlässigkeiten jeglicher Art bedroht waren. Auch ein
kollektiver Tiefschlaf hätte diese schlimmen Konsequenzen nach sich gezogen.
Seitens der Hohepriester konnte ihnen kein Vergehen vorgeworfen werden. Die jüdischen
Behörden mussten erkannt haben, daß die Wachen flohen, weil etwas wirklich
sehr Unerklärliches geschehen war.
Weitere
Argumente
Auch vorgehaltene Argumente, die
dazu dienen mit allen Mitteln etwas nicht wahr haben zu wollen, lassen sich
leicht entkräften:
Das falsche Grab? Haben sich alle betreffenden Personen möglicherweise
am falschen Grab aufgehalten? Wie sollten sich dann die Frauen, die davon unabhängig
zum Grab laufenden Jünger, die jüdische Obrigkeit und eine römische
Wacheinheit alle gemeinsam irren? Und hätten die jüdischen Hohepriester nicht
sofort das richtige Grab ausfindig gemacht, um den Leichnam Jesu zu präsentieren?
Wurde der Leichnam gestohlen?
Dieser Vorwurf wurde laut biblischem Bericht rasch gegen
die Jünger erhoben. Aber das würde völlig dem widersprechen, was man über
die ethischen Einstellungen und über das vorbildliche Leben der Jünger weiß.
Für solch niedergeschlagene Menschen, wie es die Jünger nach dem Tod Jesu
waren, war es absurd, gegen bewaffnete und routinierte Soldaten vorzugehen. Hätten
sie ein römisches Siegel beschädigt und einen tonnenschweren Stein bewegt,
und das, nachdem sie Jesus schon bei seiner Kreuzigung im Stich ließen und sich
danach aus Angst versteckten? Und wie wäre dann der plötzliche Wandel der Jünger
zur anhaltenden Begeisterung für Jesus zu erklären, der nach den Begegnungen
mit dem Auferstandenen einsetzte? Auch andere kommen als mögliche Diebe nicht
in Betracht. Ein Diebstahl macht keinen Sinn.
Halluzinationen?
Halluzinationen sind »falsche
Sinneswahrnehmungen ohne einen tatsächlichen äußeren Reiz«. Es ist extrem
unwahrscheinlich, dass zwei Personen die gleiche Halluzination zum selben
Zeitpunkt haben. Auch die detaillierten Beschreibungen von der Erscheinung des
Auferstandenen sind Zeichen dafür, dass es sich nicht um Halluzinationen
handelte. Schließlich wird sogar berichtet, dass Jesus als Auferstandener Fisch
aß und sich von Menschen berühren ließ. Das ist schlecht möglich für eine
Halluzination.
Fiel
Jesus in Ohnmacht?
Jesus starb nach dieser Hypothese
nicht, sondern fiel lediglich in Ohnmacht. Geraume Zeit später erlangte er
wieder das Bewusstsein und seine Jünger dachten, er sei von den Toten
auferstanden. Doch: Welchen Eindruck hätte ein körperlich völlig entkräfteter
Mensch, der dringend medizinischer Versorgung bedurfte, wohl auf die Menschen
gemacht, die ihm folgten? Sicher hätte er sie kaum zu ihrem darauffolgenden
vollmächtigen Auftreten veranlasst. Aus medizinischer Sicht muss Jesus übrigens
tot gewesen sein. Der Speerstich in eine Seite von Jesu Körper brachte den
Ausfluss von Blut und dann von Wasser mit sich. Dies ist dann der Fall, wenn
eine gekreuzigte Person an einem Herzriss gestorben ist.
War
es ein Trick?
Ein führender Zauberkünstler,
der die Auferstehung Jesu anhand der Bibel untersuchte, kam zu dem Schluss, dass
es bei diesem Ereignis zu viele Faktoren gab, die einen Trick ausschließen, und
die man selbst mit modernster Technik heutzutage nicht überzeugend ausschalten
könnte.
Bewusste
Täuschung seitens der Jünger?
Es sterben viele Menschen auf der
Welt für eine Lüge. Aber sie machen das nur, wenn sie davon überzeugt sind, für
die Wahrheit zu sterben. 11 Jünger sind als Märtyrer gestorben, ohne dazu
gezwungen worden zu sein. Man muss davon ausgehen, dass die Jünger selbst von
der Auferstehung Jesu überzeugt waren und alles andere als die Menschheit täuschen
wollten.
Insgesamt gesehen ist die Auferstehung Jesu bei einer
fairen Untersuchung eines der am besten belegten historischen Ereignisse. Jedoch
ist der überzeugendste Beweis das Leben der ersten Christen. Sie hatten aus
ihrer Nachfolge Christi keinerlei Vorteile. Im Gegenteil: Zu einem guten Teil
wurden sie verfolgt, gefoltert und getötet. Bei all dem blieben die Christen
friedliebend und zwangen niemandem ihren Glauben auf. Nichts konnte sie in ihrem
Weg erschüttern.
Wenn das alles nicht wahr sein sollte, muss es sich wohl um
ein Märchen handeln. Kannst du dir das Märchen vorstellen von den zwölf Männern,
die genau wussten, dass es sich bei einer Sache um eine Lüge oder einen Irrtum
handelte, und die dennoch selbst unter Folter und äußeren Widerständen nicht
bereit waren, ihren Irrtum einzugestehen?
Dirk Taube
Aus: Jesus, Brennpunkt der
Geschichte; Josh McDowell; Francke, 1992