Promise Keepers ...

... ein Mann ein Wort

Ein altes Sprichwort bekam ungeahnte Aktualität und hat ungeahnte Auswirkungen auf eine ganze Nation von Männern. Es fing mit einer Idee zweier Christen an. Bill McCartney, damals Football Coach der University of Colorado, hatte eine Vision: Er sah das Footballstadion seiner Universität mit 50.000 Männern gefüllt, und er wollte sie darin trainieren, ein Leben nach Gottes Willen zu führen. Mit seinem Freund Dave Wardell von der Vereinigung christlicher Athleten sprach er 1990 auf einer Autofahrt darüber - die Idee nahm ihren Lauf. Seitdem explodierten die Promise Keeper von 4200 Teilnehmern der ersten Konferenz 1991 auf mehr als 700.000 Teilnehmer 1995 und damit zur größten Männervereinigung der USA. Immer mehr Länder starteten in den vergangenen Jahren mit gleichartigen Veranstaltungen.

Was motiviert Männer, an einer solchen Wochenend-konferenz teilzunehmen und ein »Versprechenshalter« zu werden? Was für Versprechen werden überhaupt gegeben? Tom Kitayana, ein Teilnehmer der '95er Konferenz im Oakland Coliseum, beschreibt es folgendermaßen: »Ich habe viele christliche Seminare und Konferenzen besucht, aber dieses Wochenende mit den Promise Keepers hat alle Anwesenden der mit Abstand größten Herausforderung ausgesetzt. Ich war schwer beeindruckt, als die Redner betonten, geistliches Wachstum fängt mit Versprechen an, die wir wirklich halten wollen. Insgesamt waren es um die 49.000 Männer, die sich den sieben Versprechen der PK verpflichteten:

1. Jesus Christus durch
Anbetung, Gebet, die Bibel und in der Kraft des Heiligen Geistes zu ehren.

2. Bewußt Beziehungen
mit einigen anderen Männern zu suchen, weil auch sie Brüder brauchen, die ihnen helfen, Versprechen zu halten.

3. Geistliche, moralische
und sexuelle Reinheit auszuleben.

4. Ehe und Familie
durch Liebe, Schutz und biblische Werte zu bauen und zu stärken.

5. Unsere Ortsgemeinde
durch Achtung vor dem Pastor und Gebet für ihn, sowie Einsatz von Zeit und finanziellen Mitteln zu unterstützen.

6. Bewußt Barrieren,
wie Hautfarbe, Herkunft und Denomination abzubauen, um die Kraft der biblischen Einheit zu demonstrieren.

7. Diese Welt durch Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes
und dem Missionsauftrag positiv zu beeinflussen.

Ich weiß - ein psychologischer Effekt und Einfluß ist sicherlich nicht zu leugnen, wenn jeder vom Geist Gottes geführt diese sieben Versprechen ablegt. Aber wir werden unsere Gemeindeleiter brauchen, um uns wieder an unsere Versprechen zu erinnern, wenn etwas Zeit vergangen ist.

Das Seminar hat mir gezeigt, daß ich mehr Verantwortung trage, zu Hause und in meinem Wohnort ein glaubwürdiges Christsein auszuleben.«

Was - außer Versprechen abzulegen - tun Tausende von männlichen Christen bei ihren Treffen in Footballstadien? Verlaufen die Veranstaltungen tatsächlich anders als übliche Gemeindekonferenzen? Anbetung mit Gesang gehört immer dazu. Viele Männer betonen, daß es ihnen guttut, in einer Gruppe »Gleichgesinnter« zu sein. Ein christlicher Männerkreis, in dem gemeinsame Ziele gesteckt werden und offen über Gefühle, Eheprobleme und ähnliches gesprochen wird, ist in vielen Gemeinden noch Zukunftsmusik. Männlichen Christen fehlte ein Ventil - PK hat es ihnen gegeben. Selbst Gründer »Coach Mac« (wie er in PK-Kreisen genannt wird) gesteht als Redner immer wieder ein: »Ich war kein Geber, ich war ein Nehmer! Wir sind immer meinen Träumen gefolgt, nie denen von [meiner Frau] Lyndi. Eines Tages sah ich meine Frau an«, erklärt er, »und ich sah keine Zufriedenheit. Meine eigene Frau war verletzt. Ich sagte: `Herr, wie habe ich es vermasselt?'«

McCartney beschreibt, wie er sich vor ihr auf die Knie warf, weinte - und es ihr schwerfiel, auf einmal alles einfach zu vergeben. Die Einsicht, seine Frau über Jahre falsch behandelt zu haben, führte schließlich dazu, seinen Footballcoach-Posten aufzugeben. Er arbeitet seitdem vollzeitlich für die PKs, ehrenamtlich. Er will Männer zu echten Christen trainieren.

Die Ehen
und Familie
profitieren davon

Familie und Ehe nach Gottes Plan ist eines der Hauptthemen, besonders angesichts der weltweit steigenden Scheidungsraten auch unter Christen. Stan Quan, ein weiterer Teilnehmer der Konferenz im Oakland Coliseum, sagt: »Eines der Versprechen, die ich bei den PK machte, war, meine Ehe und Familie durch Liebe, Schutz und biblische Werte aufzubauen. In unserer fünfköpfigen Familie mit drei Kindern unter sechs Jahren ist alle fünf Minuten Chaos vorprogrammiert! Wie ich mit einzelnen Situationen umgehe, wie unscheinbar auch immer sie wirken, wird eine starke Rolle für die Festigkeit oder Schwäche unserer Familieneinheit spielen. Ich bin fest davon überzeugt, daß es meine persönliche Verantwortung als PK ist, eine Familie und eine zukünftige Generation aufzuziehen, die Gott segnen wird.«

Zugegeben: Die PK haben hochgesteckte Ziele - doch selbst viele Kritiker gestehen ein, daß ihr Einfluß bisher in positiver Weise bemerkbar ist. Durch die Konferenzen entstehen vielerorts Gebetsgruppen für Männer. Verbindlichkeit wird teilweise ganz neu erlernt. Gesprächsgruppen für Ehepaare sind ebenso eine direkte Folge der Konferenzen. Biblische Maßstäbe des Zusammenlebens sind für Männer und Frauen oft gleichermaßen neu zu entdecken.

Offensichtlich profitieren nicht nur die Männer davon: Viele Frauen sind überrascht, wie positiv sich ihr eheliches Zusammenleben durch aufrichtiges Fragen nach Gottes Willen und ein ernstgemeintes Versprechen zu verändern beginnt.

Einheit
zwischen Rassen

Außergewöhnlich ist auch das Miteinander verschiedenster Hautfarben bei den PKs (nicht nur in den USA bleibt Rassismus ein Problem). 25% der fast 300 Angestellten der PKs sind Farbige. Unter ihren 14 Top Managern sind 3 Afroamerikaner und ein Amerikaner asiatischer Abstammung. Die Rednerlisten der Konferenzen sind »farbig« gemischt. Auch hinter den Kulissen einer Konferenz sorgen Verantwortliche für Zusammenarbeit und bleibende Bindungen zwischen christlichen Gemeinden unterschiedlicher Hautfarbe und Prägung; zumindest ein schrittweiser Erfolg auf dem Weg zur biblischen Einheit.

Mißverständnisse

Viele ihrer Ziele stoßen in der breiten Öffentlichkeit auf Unverständnis. Verschiedene nichtchristliche Gruppen sehen eine potentielle Gefahr in derartig »altmodischen« Richtlinien. Männer, die mit der Bibel mobil machen, passen nicht in unser aufgeklärtes Jahrhundert. Brian Peterson, Chefredakteur des »NEW MAN« (Neuer Mann), der offiziellen Zeitschrift der PKs, wagt in einem seiner Editorials den Versuch einer Erklärung für die Diskrepanz zwischen geistlichem Geschehen und natürlicher Wahrnehmung:

»Wir entdecken den Unterschied zwischen dem, was wir sind, und dem, wofür andere uns halten, den Unterschied zwischen Vermutung und Realität.

Falsche Vermutung: PK fordert Männer auf, eine dominante Herrscherrolle gegenüber ihren Frauen und Kindern einzunehmen.

Die Wahrheit: PK fordert Männer auf, ihre Gott gegebene Verantwortung zur Liebe, zum Sorgen für die Familie und zum Leiten als Ehemann und Vater anzunehmen.

Falsche Vermutung: Höchste Priorität der PKs ist es, daß sich Männer einigen ethischen und moralischen Grundsätzen verpflichten.

Die Wahrheit: PK möchte Männern die lebensverändernde Kraft Jesu Christi nahebringen und sie dazu befähigen, göttlich geprägten Einfluß auf die Welt auszuüben. Sie (die Kritiker) suchen natürliche Ursachen anstatt geistliche. Ich bin sicher, Sie haben die Frustration, falsch verstanden zu werden, schon selbst durchlebt. Wenn man seinen Glauben weitergibt, ist das eben manchmal unvermeidbar. Ein guter Freund von Campus für Christus gab mir eine gute Definition für erfolgreiche Evangelisation: Christus in der Kraft des Heiligen Geistes bezeugen und die Resultate Gott überlassen. Mit anderen Worten: Laß Gott das Verständnis geben. Gib die Wahrheit nach bestem Wissen und Gewissen weiter und überlasse Gott die Ergebnisse.«

Das Prinzip der Promise Keeper mag für deutsche Ohren vielleicht zu amerikanisch klingen: Beten - in einem Stadion oder auf einem Tennisplatz?! Vielleicht ist aber der bisherige Erfolg zumindest ein Zeichen dafür, daß es durchaus Möglichkeiten gibt, etwas gegen den Verfall moralischer Werte zu tun. Eine Herausforderung nicht nur für männliche Christen!

P. Piater

Erschienen in den PERSPEKTIVEN, Ausgabe 7-8/1996

Interessenten an den "Promise Keepers" können hier auf ihre Homepage zugreifen: Promise Keepers U.S.A. , oder sich direkt an Pastor H. Rust, Bundesmissionshaus, Postfach 1262, 61282 Bad Homburg, wenden, der die Koordination für eine deutsche Variante der PK übernommen hat.