Nepal - eines der ärmsten Länder dieser Welt. Ein Land, das bis 1950 von der Außenwelt abgeschottet war. Ein Land, in dem Gott seine Gemeinde bauen will. In diese schwierige Aufgabe hat Gott Amos Moore berufen. Amos Moore stammt aus Shillong in Nord-Ost-Indien. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Seit etwa 15 Jahren arbeitet er als Missionar in Nepal. Amos Moore war Anfang Mai auf der diesjährigen Bundesjugendtagung als Gastredner eingeladen, um Echtheit im Christsein zu vermitteln. Mit ihm sprach Harald Franken.
Perspektiven: Du bist der Sohn eines Predigers. Wie hast du deine Kindheit erlebt?
Amos Moore: Ich habe es sehr genossen, in dieser Situation zu sein. Wir haben in meiner Familie Liebe erfahren. Für uns wurde gesorgt und auf uns wurde geachtet. Wenn du in der Familie Liebe und Fürsorge erfährst, dann erlebst du ein Gefühl von Sicherheit. Natürlich gibt es im Familienleben Höhen und Tiefen. Aber insgesamt gesehen war es eine gute Zeit.
PE: Wenn du deine Familie mit anderen Familien vergleichst, kannst du da Unterschiede feststellen? Wie sieht das Familienleben bei Andersgläubigen aus?
A.M.: Eine Sache ist mir bei Andersgläubigen besonders aufgefallen: Sie sorgen sich nicht so viel um ihre Kinder, wie sie eigentlich sollten. Natürlich geben sie ihnen gute Kleidung, gutes Essen. Aber ich glaube nicht, daß dies alles ist, was der Begriff Fürsorge umfaßt. Zur Fürsorge gehören für mich auch die Liebe und das Interesse am anderen. Das ist der Hauptunterschied, den ich herausgefunden habe. Ich sagte bereits, daß ich in meinem Elternhaus ein Gefühl von Sicherheit erlebt habe. Dies vermittelt ein Selbstwertgefühl: Ich bin es wert zu leben.
PE: Wie hast du ein brennendes Herz für Menschen bekommen, die Gott nicht kennen? Und wie hast du es dir bewahrt?
A.M.: Der Lebensstil meiner Eltern war für mich beispielhaft. Ihre Sorge für die Verlorenen, ihre Hingabe und ihr Einsatz waren für uns Kinder ein gutes Vorbild. Als ich größer geworden bin, habe ich dies verstanden. Durch meine Eltern ist dieser Gedanke in mir gereift. Ich habe gesehen: So lebt man als Christ. Ihren Spuren wollte ich dann folgen. Ich wollte auch solch eine Familie haben, die so voller Freude ist. Das hat mich viele Jahre ermutigt. Ich habe dagegen andere Familien gesehen, die miteinander streiten und kämpfen. Meiner Familie ging es wirtschaftlich nicht so gut, aber das ist eben nicht alles im Leben. Freude, Liebe und Frieden in der Familie sind viel wichtiger. Ich habe es wirklich genossen, in meiner Familie zu sein. Ich vermisse diese Zeit richtig.
PE: Wie ist es heute in deiner Familie? Du hast eine Frau und vier Kinder. Du hast ein brennendes Herz für die Verlorenen. Dies ist ja ein Kreuz, das du selbst zu tragen hast, das Christus dir gegeben hat. Wie trägt die Familie als ganzes dieses Kreuz, dein Kreuz?
A.M.: Bevor ich meine Frau kennenlernte, hatte ich nur den einen Wunsch, in den Dienst zu gehen. Als ich dann meine Frau kennenlernte, sprachen wir auch über geistliche Dinge. Wir sprachen darüber, wie ich Gott dienen wollte. Meine Frau hatte dieselbe Einstellung wie ich. Die Sorge um verlorene Menschen bewegte uns beide.
Als wir dann heirateten, hatten wir eine Absicht und ein Ziel im Leben: Wir wollten Menschen erreichen, die den Herrn nicht kennen. Das Ergebnis war, daß wir nach Nepal gegangen sind. Wir haben natürlich vier Kinder. Drei von ihnen sind in Indien auf der Schule. Zwischen drei und sechs Monaten im Jahr sind sie dort auf der Schule.
Für uns als Familie ist das natürlich hart. Wenn sie krank sind, dann sind wir nicht da und können ihnen nicht helfen. Wir haben aber den Kindern erklärt, welchen Dienst wir tun. Und wir haben ihnen gesagt, daß sie auf einer Schule sind, in der nicht jeder Christ ist. Lediglich 5% der Schüler sind Christen, obwohl es sich um eine christliche Schule handelt. Sie leben also in einem nichtchristlichen Umfeld. Wir haben ihnen erklärt, daß sie nun Missionare in dieser Schule sind. Sie müssen als Christen in der Schule leben. Unsere Kinder haben uns unsere Hingabe an den Herrn abgespürt, und so wollten sie auch in den kommenden Jahren auf der Schule dem Herrn dienen. So tragen wir als ganze Familie das Kreuz, das der Herr uns als Familie gegeben hat. Wir müssen in unserem Leben Prioritäten setzen. Aber da gibt es Prioritäten, die über den anderen stehen. Zu diesen gehört, eine Familie zu gründen, aber auch den Willen Gottes zu tun. Wenn wir Gottes Willen tun, dann fällt uns alles andere auch zu. Das habe ich in meinem Leben so erfahren.
PE: Es ist in Deutschland sehr schwer, Menschen für den Dienst im Reich Gottes zu gewinnen. Viele junge Menschen sagen, daß es ihnen zu schwer sei. Die Zukunft sei ungewiß. Was würdest du dazu sagen?
A.M.: Mir kamen früher die gleichen Gedanken. Ich habe gearbeitet, und ich hatte eine sehr gute Arbeitsstelle. Auch meine Frau hatte eine sehr gute Arbeitsstelle. Als wir uns dem Herrn zur Verfügung stellten, haben wir uns als Priorität gesetzt, den Willen Gottes zu tun. Natürlich wissen wir nicht, was uns die Zukunft bringen wird. Ich glaube, daß wir viele Pläne machen können, aber nach meinem Verständnis ist das wichtigste: Er, der die Zukunft trägt, kontrolliert auch uns. Wenn also jemand unsere Zukunft kontrolliert, warum sollen wir uns dann sorgen? Ich kann nicht mein eigenes Leben erhalten, wenn er mir nicht hilft. Darum: wenn wir nicht alles bekommen, was wir gerne hätten, oder nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen können, so erleben wir doch ein Gefühl von Frieden und Freude in unserem Leben, weil wir seinen Willen tun wollen. Das ist die größte Kraft für unseren Dienst.
PE: Dein ältester Sohn bereitet sich auch auf den Missionsdienst vor. Er möchte Medizin studieren, um dann in Tibet unter Einheimischen zu missionieren. Dabei geht es um eine bestimmte Strategie, Menschen zu erreichen. Ihnen soll nicht nur das Evangelium gepredigt, sondern auch praktisch geholfen werden.
A.M.: Ich glaube, daß dies das Evangelium ist. Wir leben nicht für uns selbst, sondern predigen das Evangelium durch unser Leben. Viele Leute hören ja gar nicht mehr zu, sei es durch ihre Engstirnigkeit oder weil sie einen anderen Glauben haben. Aber sie können jeden Tag sehen, wie du lebst. Wenn wir Menschen helfen, die Hilfe benötigen, so zeigen wir ihnen die Liebe Christi.
PE: In Deutschland wird sehr oft behauptet, es sei falsch, nach Asien zu gehen und den Menschen dort unsere europäische Religion zu bringen. Die Menschen in Asien hätten doch ihre eigene Kultur, Tradition; sie seien doch mit ihrer Religion glücklich. Sie bräuchten den christlichen Glauben nicht. Wie siehst du das?
A.M.: Dazu möchte ich zwei Dinge sagen:
Erstens: Die Europäer dürfen nicht mißverstehen, daß das Christentum eine europäische Religion sei. Das Christentum hat seine Anfänge in Asien und nicht in Europa. Und die asiatische Bevölkerung mißversteht das Christentum, weil sie es für eine westliche Religion hält. Natürlich hat sich das Christentum im Laufe der Geschichte sehr stark im Westen ausgebreitet, aber der Ursprung liegt in Asien.
Zweitens: Das Christentum ist keine Religion für den Westen, sondern für die ganze Welt. Die Einwohner Nepals haben zwar ihren eigenen Lebensstil. Aber wenn du einen besseren Lebensstil kennst, würdest du ihn nicht den anderen Menschen weitersagen? Das Christentum ist der bessere Weg. Und die Menschen kennen diesen Weg nicht, sie kennen Gott nicht, den persönlichen Gott, und sie kennen die Wahrheit in ihrem Leben nicht. So ist es meine Verantwortung, zu diesen Menschen hinzugehen und ihnen diesen Weg zu zeigen. Wir tun das nicht nur aus menschlicher Sicht, sondern es ist der Auftrag Christi. Wir haben das Beste. Und wenn wir das Beste vermehren wollen, dann dürfen wir es nicht für uns behalten, sondern wir müssen es mit anderen teilen.
Wie können wir behaupten, daß die Menschen mit ihrer eigenen Religion zufrieden sind? Das kann niemand sagen. Geh hinein in ihre Kultur. Du wirst sehen, dort ist Dunkelheit, Unbehagen, Unglücklichsein. Viele Dinge passieren dort, die sie selbst gar nicht mögen. Wenn ich ihnen etwas geben kann, das auch bis in die Ewigkeit überdauert, warum sollte ich es ihnen dann nicht geben? Nach meinem Verständnis bedeutet das Christentum Christus im Alltag zu kennen. Und das verändert einen Menschen völlig. Sein Wille, sein Denken, sein Lebensstil werden sich verändern.
PE: Hast du solche Veränderungen bei Menschen in Nepal erlebt?
A.M.: Ich habe einen Freund in Nepal, er ist Kaufmann und hat ein großes Geschäft. Bevor er Christus kannte, hat er sehr oft seine Frau geschlagen. Sie hat für ihn gekocht, und er hat das Essen vom Tisch gestoßen, wenn er es nicht essen wollte. So hat er gelebt. Wie kann man da sagen, daß sie mit ihrer eigenen Religion glückliche Menschen waren? Ein Jahr, nachdem dieser Mann den Herrn kennenlernte, fragte ich eines seiner Kinder: »Dein Vater ist Christ geworden. Wußtest du das?« Und das Kind antwortete: »Ja.« »Und hast du in seinem Leben einen Unterschied bemerkt?« »Ja, natürlich.« »Was hat sich denn verändert?« »Er hat nie wieder meine Mami geschlagen. Er hat auch niemals mehr das Essen weggestoßen, weil er über das Essen wütend geworden ist.«
Dieser Mann hatte einer anderen Religion angehört und entsprechend gelebt. Durch Jesus Christus ist er völlig verändert worden. Er hat niemals wieder seine Frau geschlagen. Das macht den Unterschied. Man kann wirklich nicht behaupten, daß diese Menschen in ihrer eigenen Religion glücklich sind. Natürlich sieht man als Tourist in Nepal die guten Seiten des Landes. Wenn man aber im Leben der Menschen tiefer nachforscht, dann findet man da weder Freude noch Wahrheit. Darum fühle ich mich gedrängt, diesen Menschen das Evangelium zu predigen.
PE: Vielen Dank für dieses Gespräch.