»...damit ihr tut, wie ich euch getan habe.«



Georg Bürgin

Jesus redete und handelte oft sehr spontan, jedoch nie unüberlegt oder aus einer augenblicklichen Laune heraus. ER blieb, bei allem was er sagte und tat, immer seiner geistlichen Grundüberzeugung und seinem göttlichen Auftrag treu.

So war auch sein Beispiel der Fußwaschung keine Handlung, die nur einer demütigen Anwandlung oder einer augenblicklichen sentimentalen Stimmung entsprang. Hier wurde deutlich, daß seine Botschaft von der Liebe zum Nächsten, nicht nur eine Philosophie war, wie sie bedeutende Lehrer vor seiner Zeit schon gelehrt hatten. Hier stand ER mit seinem ganzen Leben und Tun dahinter, weil »Agape« _ diese selbstlose, bedingungslose Art der Liebe _ der eigentliche Antrieb seines Kommens in die Welt war.

Diese Liebe, die allein göttlichen Ursprungs ist, sollte für seine zukünftige Gemeinde Grundlage des Zusammenlebens und Zeugnis für alle Welt werden. Darum gab er den Jüngern bei seinen Abschiedsreden dieses Gebot gleichsam als Vermächtnis mit:

»Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.« Joh.13,34+35

Die drei Verordnungen

Die drei Verordnungen, Taufe, Abendmahl und Fußwaschung, wie wir sie aus der den Evangelien des Neuen Testaments erkennen können, haben gleiche Kriterien oder Erkennungszeichen. Sie wurden von Jesus selbst und somit zu seiner Lebzeit eingesetzt, ER selbst stellte sich darunter und gab ihnen eine tiefe symbolische Bedeutung.

So gibt ein glaubender Mensch durch das Zeugnis der Taufe der Welt öffentlich zu erkennen, auf wessen Seite er sich gestellt hat.

Im Abendmahl bezeugt er seine Beziehung zu Gott, die durch den Tod Jesus Christi neu geworden ist.

Und durch die Fußwaschung hat Jesus seinen Jüngern ein einzigartiges Beispiel, eine eindrückliche Lehre gegeben, auf welcher Ebene und in welchem Geist sich die Beziehung der Glieder seiner Gemeinde bewegen soll. Als der »Größte« unter ihnen konnte ER einen Sklavendienst verrichten, ohne sein Gesicht zu verlieren. So und auf diese Weise sollten auch sie einander begegnen und dienen und miteinander Gottes Reich bauen.

Die Lehre aus diesen drei Verordnungen gleicht einem dreidimensionalen Bild. Spiegeln sich doch in ihr meine Beziehung zu Gott, zur Welt und zum Bruder/zur Schwester wider.

Nun gibt es wenige Christen, die Zweifel daran haben, das Mahl des Herrn immer wieder als Erinnerungsmahl zu feiern, wenngleich mit sehr unterschiedlichem Verständnis. Auch über die Notwendigkeit einer christlichen Taufe gibt es wenig Differenzen, obgleich die heftigsten Streitigkeiten über die Art sich hartnäckig über Jahrhunderte halten.

Doch eine Fußwaschung als Gebot oder Verordnung Jesu wird nur von verhältnismäßig wenigen Christusnachfolgern anerkannt, geschweige denn gefeiert.

Die Fußwaschung

Es ist sicherlich nicht leicht, das Füßewaschen als eine konkrete Handlung zu akzeptieren und in der Gemeinde zu pflegen, das heißt, als Bruder dem Bruder und Schwester der Schwester die Füße zu waschen. Es ist leichter, Jesu Fußwaschung nur als symbolhafte Handlung darzustellen. Es ist aber zu kurz gegriffen, wenn ich die Fußwaschung als konkrete Verordnung ablehne, weil ich meine, wenn ich gegenüber meinem Nächsten Liebe übe, sei das genug. Ähnlich könnte man zum Beispiel bei der Taufe argumentieren: »Genügt es nicht, daß ich glaube? Weshalb soll ich mich dann noch taufen lassen?«

Wie wir vergeßlichen Menschen aber durch das Mahl des Herrn immer wieder daran erinnert werden sollen, was unser Herr für uns am Kreuz getan hat, so ist es nötig, immer wieder durch die Fußwaschung an das mithöchste Gebot Jesu erinnert zu werden:

»Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« (Mt 22, 37-39)

Nun besteht, wie beim Abendmahl, auch bei der Fußwaschung die Gefahr, daß man dahin kommen kann, nur eine »tote Zeremonie« zu pflegen. Wo die Beziehung zu Christus und zum Nächsten nicht lebendig bleibt, haben symbolische Handlungen ihren Wert verloren. So wurde auch der alttestamentliche Opferdienst, der von Mose auf Gottes Geheiß eingesetzt und befohlen worden war, vor Gott zum Greuel.

Es ist außerordentlich wichtig, daß wir mit allen geistlichen Gütern, die uns von Gott anvertraut sind, verantwortlich umgehen. Wie man die Bibel zum Fetisch machen kann, so kann man mit seiner geistlichen Erkenntnis einen Mitchristen »totschlagen« und mit seiner eigenen falschen »Frömmigkeit« oder »Heiligkeit« andere Menschen quälen. Darum, wo die Liebe fehlt, sind Symbole umsonst. Wir schätzen die Verordnung der Fußwaschung, und wir halten sie für richtig. Wir werten aber keinen Bruder und keine Schwester ab, die hierin eine andere Erkenntnis haben.

Für mich ist der stärkste Beweis, daß es sich hier um eine vom Herrn gewollte Verordnung handelt, der, daß die Fußwaschung haargenau dem Geist Christi und dem Geist des Neuen Testaments entspricht. Davon will ich mich leiten lassen.

Wir feiern die Fußwaschung nicht, weil das Tradition in unserer Bewegung ist, sondern weil wir einander helfen wollen, das Gebot der Liebe untereinander immer wieder zu erneuern und zu festigen.

Möge Gottes Geist uns helfen, Christi Gesinnung zu bewahren und zu festigen in uns selber und in der Gemeinde.

Georg Bürgin ist Bundessekretär des Gemeindewerks der Gemeinde Gottes in Deutschland.