Liebe ist voll Überraschungen

Bill Hybels

»...und Er nahm Knechtsgestalt an...«   Philipper 2,7

Ich wußte von dem Mann nur das Wenige, das ich über ihn gelesen hatte. Sein Leben endete tragisch und paradox. Zum Zeitpunkt seines Todes wog er gerade sechzig Kilo, bei einer Körpergröße von ein Meter neunzig. Sein ganzer Körper war farblos, sogar seine Lippen. Sein Haar und Bart sowie seine Nägel waren abscheulich lang und ungepflegt. Viele seiner Zähne waren faul und nur noch schwarze Stümpfe. Ein Tumor _ eine gerötete Wölbung zwischen ein paar grauen Haarsträhnen _ fing an, sich an der Seite seines Kopfes hervorzuheben. An Seinen Armen, Beinen und Oberschenkeln waren dicht an dicht Nadelstiche. Er war ein Junkie, drückte mehr als zwanzig Gramm täglich, und manchmal das Drei- oder Vierfache davon. Seine Augen sahen meistens wie tot aus, aber gelegentlich glänzten sie in ihren tiefen versunkenen Höhlen mit einer überraschenden und ängstlichen Intensität.

In diesem Zustand befand sich der Mann, der von einer ganzen Generation beneidet wurde. Er hatte in seinem Leben alles erreicht: Macht, Geld, Ruhm, uneingeschränkte Freuden. Er nannte gewaltige Dinge und schwache Menschen sein eigen. Er gab sich rücksichtsloser Maßlosigkeit und Verschwendungssucht hin. »Wenn je ein Mensch alles hatte, um zufrieden zu Sein«, so würde die neidische Öffentlichkeit sagen, »dann war es Howard Hughes.«

Ich wußte von der Frau nur das Wenige das ich von ihr mitbekommen hatte, als ich sie in einer kleinen Kirche in Michigan sah. Es war wirklich nichts Besonderes an ihr. Sie half in der Gemeindeküche; eine ältere Frau, mittlere Größe, eine durchschnittliche Erscheinung und konservativ gekleidet. Meiner Ansicht nach war sie nur in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Erstens in ihrer Beständigkeit. Jedesmal, wenn ich die Kirche besuchte, war sie in der Küche, in meiner Vorstellung umgeben vom Dampf der Suppe. Und dann waren da ihre Augen. Sie strahlten aus einer überraschenden Tiefe.

Diese Frau, von nur wenigen beachtet, wurde von niemandem beneidet. Wenn ich raten müßte, besaß sie wenig von dem, was die Welt für wertvoll hält: Geld, Ruhm, Macht oder Besitzungen. Von ihrer Kleidung her zu urteilen, könnte man annehmen, daß sie wenig besaß, aber viel gab. Sie lebte im Hintergrund, im Dienst für andere. »Wenn je eine Frau Grund gehabt hätte, sich zu beschweren«, würde die Welt seufzen, »dann diese Frau.« Ich weiß nicht einmal ihren Namen. Aber ich erinnere mich an ihr Lächeln. Es war erfüllt von Freude.

Es gibt alle möglichen Arten von Menschen auf der Welt. Da sind Menschen, die Hunde lieben, und andere, die Katzen mögen. Wir nennen sie liebevoll Hunde- und Katzenliebhaber. Es gibt Menschen am Swimmingpool und Menschen am Strand, Frühaufsteher und Nachtschwärmer, Kaffeetrinker und Teetrinker. Die Liste ist endlos. Menschen sind enorm unterschiedlich, sehen ganz verschieden aus und besitzen ein Kaleidoskop verschiedener Interessen und Temperamente.

Und doch gibt es inmitten all dieser Unterschiede ein Interesse, das wir gemeinsam haben, und zwar das Eigeninteresse. Unabhängig von Kontinent, politischem System, Wirtschaftsstatus oder Abstammung liegt die universelle dunkle Seite des Menschen in dem Wunsch, auch noch das letzte Stück vom Kuchen zu bekommen. Hier finden wir den Grund für einen dritten Weltkrieg; es ist der wütende Hunger in unseren Augen; ich muß der Erste sein. Diese tief verwurzelte Lebensphilosophie stellt Glück und Selbstinteresse auf eine Stufe. Es ist der Glaube, daß Macht, Ruhm, Geld und Nervenkitzel der Maßstab für Erfolg sind.

Die heutige Welt feiert diese ganz bestimmte Erscheinung der Verdorbenheit. Nie zuvor in der modernen Geschichte fand eine Idee der aufgeblasenen Menschheit mehr Akzeptanz. Schließlich wird unsere Generation die Ich-Generation genannt. Es geschah in den Achtzigern, daß man die Gier zum glotzäugigen Idol Erhob. Immer weniger Entscheidungen wurden auf der Basis von Werten, Moral und Gerechtigkeitssinn getroffen. Statt dessen wurden Antworten gegeben, die sich um den Appetit drehten. Erfüllt dies meine Bedürfnisse? Befriedigt es meinen sexuellen Hunger? Löscht es meinen Durst nach mehr? Stillt es meinen Hunger nach Macht?

Das Schlüsselwort lautete »mein«. Unser Rollenvorbild wechselte von Mutter Teresa zu Madonna. Die Botschaft war deutlich: Schwelge, stopfe dich voll, vergnüge dich ohne Einschränkung! Eigeninteresse wurde nicht nur toleriert, sondern aktiv gefördert und unterstützt. Ganze Industrien an Werbung und Glamour-Modellen wucherten in den fruchtbaren Seelen schamloser Egozentrik. Wir haben diese Lektion immer wieder zu hören bekommen: »Mehr für mich ist besser für mich. Zum Teufel mit dem Rest der Welt.«

Und so war es dann auch. Die Ich-zuerst-Haltung hat unsere Gesellschaft an den Rand des Ruins gebracht. Wirklichkeitsflucht, Perversion, Aids, ungewollte Schwangerschaften, Gewalt, politische Skandale und zerbrochene Familien sind die Symptome unserer modernen Verrücktheit, unserer Besessenheit vom eigenen Ich.

Eine verlorengegangene Einstellung

Eine Möglichkeit, den Pulsschlag einer Gesellschaft zu prüfen, besteht darin, ihre Worte zu prüfen. Die Bedeutung von Worten und ihr Wert ändern sich mit der Zeit und mit den Bewegungen der Geschichte. Nehmen wir das Wort »Diener«. Bevor Klagen und Beschweren zum nationalen Lebensstil erhoben wurde, betrachtete man es als eine Ehre, jemandem zu dienen. Es gab nichts Größeres, als aus Liebe die Bedürfnisse anderer zu erfüllen. Doch in einer Kultur, die der Selbstdarstellung und dem Individualismus Vorschub leistet, ist das Wort »Diener« fast vollständig aus unserem Vokabular verschwunden. Die Abendnachrichten zeigen eine selbstsüchtige Person nach der anderen, die ausdrücklich ihre individuellen Rechte verlangt. Gelegentlich endet eine Nachrichtensendung mit einer »menschlich interessanten« Geschichte über jemanden, der anderen dient. Was uns daran überrascht, ist nicht, daß diese Person gezeigt wird, sondern die offensichtliche Tatsache, daß der Diener _ einer, der sich um mehr kümmert, als seinen Eigennutz _ nun als Neuheit betrachtet wird, als außergewöhnlicher Mensch.

Wir werden uns nur nach und nach über das volle Ausmaß der Katastrophe bewußt. Wer bereit ist, durch den Dunst seines egoistischen Bestrebens zu schielen, kann die verschwommenen Anzeichen für den Einsturz der Lebensfundamente wahrnehmen. Langsam stellen wir fest, daß die Dinge, die unser Leben wichtig machen _ unsere Werte, unser Sinn für Gemeinschaft, unsere Ganzheit und Vollständigkeit _ genau die Dinge sind, die wir zerstört haben. Wir »finden« unser Selbst, und zu unserer eigenen Überraschung finden wir uns mitten in Problemen wieder. Wir fühlen uns allein, bei dem Versuch, unser Leben vom Abdriften ins Chaos aufzuhalten. Wir entdecken, daß pures Selbstinteresse letztlich Selbstzerstörung ist.

Göttliche Logik

Veränderung ist möglich! Sie kann jedoch nur langsam geschehen. Tief verwurzelte Ich-zuerst-Verhaltensmuster _ von unserer sündigen Natur ganz zu schweigen _ können nicht über Nacht zerbrochen werden. Es ist nicht verwunderlich, daß Jesus enorme Zeit und Anstrengung darauf verwandte, Seine Nachfolgern eine neue Art von Leben zu lehren. Es war eine kuriose Art der Sprache, in der Er sie zu unterrichten pflegte; als hätte Er den gewöhnlichen Gebrauch von Aussagen und Worten umgedreht: »Mein« wurde zum »dein«, aus »nehmen« wurde »geben« und der »Herrscher« wurde zum »Diener«.

Die Gespräche zwischen Jesus und Seinen Jüngern waren manchmal so verwirrend, als würden zwei Menschen miteinander in verschiedenen Sprachen sprechen. Das war besonders in Jesu Umgang mit Petrus der Fall. So sehr Petrus es auch versuchte, er schien Jesus häufig nicht zu verstehen. Jesus sagte »Königreich«, Petrus verstand »herrschen«. Jesus sagte »stehe fest, sei standhaft«, Petrus hörte »kämpfe«. Das Problem lag in ihrer gegensätzlichen Perspektive: Im Unterschied zwischen menschlichem Verständnis und göttlicher Weisheit.

Markus Kapitel 8 macht dies deutlich. Jesus hatte gerade Seinen Jüngern erklärt, daß Er zu leiden und zu sterben habe: Er hatte die Machtstrukturen angegriffen, und nun mußte Er dafür bezahlen. Petrus ging in die Offensive. Er rügte den Sohn Gottes, indem er ihm unmißverständlich sagte, daß die so eingeschlagene Richtung eine Verschwendung an Weisheit, Leben und Autorität sei. Sicherlich würde Jesus nicht wollen, daß das Evangelium mit einer schändlichen Fußnote auf einem Grabstein enden sollte.

Der Dialog offenbart Petrus als mutigen Mann: Es ist keine Kleinigkeit, sich dem Sohn Gottes entgegenzustellen. Aber sein Mut war, wie Jesus wohl wußte, nicht von Charakterstärke geprägt, sondern von Leidenschaft und Unwissenheit. Stellen wir uns vor: Petrus, ein kleiner Fischer, der seine dürftigen Erträge für ein Leben am See Genezareth erarbeitet. Voller Energie, aber mit wenig Träumen, getrieben vom Temperament, aber wozu?

Und dann begegnete ihm Jesus. Plötzlich wurde die Welt von Petrus _ sein ganzes Leben _ verändert. Endlich besaß er ein Ziel, so groß wie seine Leidenschaft. Es war schließlich kein Spieler aus der untersten Liga, auf den Petrus sich da eingelassen hatte. Hier war Gott selbst. Petrus fischte nicht länger mehr in einem kleinen Teich. Er war die rechte Hand eines Wunderwirkers, eines Radikalen, eines Revolutionärs. Petrus war absolut sicher, daß er sein Banner vor einem Mann hertrug, der die Welt verändern würde. Er wußte nicht genau, wie Jesus das machen würde, aber er war sicher: Jesus hatte einen großen Plan _ und er war genauso sicher, daß ein vorzeitiger Tod nicht dazu gehörte. Solch ein Gespräch war Unsinn. Irgend jemand mußte Jesus wieder auf den richtigen Weg zurückbringen.

Jesu Reaktion muß Petrus überrascht haben. Die Worte hatten ihn schwer getroffen, mit einem Feuer, das Petrus' Herz versengte: Er nannte ihn Satan, den größten Feind selbst. In den Worten Jesu spürte man sowohl Enttäuschung als auch Müdigkeit. Jahrelang hatte Jesus versucht, Seinen Jüngern beizubringen, daß die Ich-zuerst-Einstellung nicht der Weg zum Leben war. »Ich bin gekommen, um zu dienen«, erklärte Er ihnen immer und immer wieder.

»Ich bin nicht gekommen, um die Fäden der Gewalt zu spinnen oder andere zu Marionetten herabzuwürdigen, sondern um mich selbst zu geben.« Sein ganzes Leben war eine Demonstration des Dienens, der Selbstlosigkeit und der Liebe. Sein Tod würde zum höchsten Beispiel der Nächstenliebe werden, und Er wollte, daß Seine Jünger, besonders Petrus, Seine rechte Hand, dies verstehen sollten.

Aber Petrus war, genau wie die anderen, und wie wir selbst, noch immer mit seiner eigenen Tagesordnung beschäftigt. Solange es ihn nicht seine Ich-zuerst-Einstellung kostete, wollte er das, was Jesus wollte. Trotz aller Anstrengungen Jesu war Petrus immer noch im Wertesystem der Welt verhaftet, einem System von Macht, Aufstieg und Privilegien. Als Jesus sagte, daß Er sterben müßte, um andere zu erretten, kümmerte sich Petrus keinen Deut um Gottes Erlösungsplan. Er konnte nur den Schmerz in seinem Innern fühlen, die Qual, sein Ziel und seinen Freund in einem Atemzug zu verlieren. Nicht Gottes, sondern seine Interessen standen im Mittelpunkt seines Denkens.

Petrus' Handlungsweise zeigt die Hartnäckigkeit der Ich-zuerst-Einstellung. Sie ist nicht nur ein allgemeiner Virus, eine leichte psychologische Verhaltensstörung oder eine Folge unvollkommener Erziehung. Man kann dagegen nicht einfach Pillen schlucken, sie durch Seelsorge beseitigen, oder ihr durch Biofeedback entfliehen. Jesus verdeutlicht uns, daß diese Einstellung eine Krankheit ist, die aus der Hölle kommt und tief im menschlichen Herzen verwurzelt ist. Ohne radikale Maßnahmen wird sie unserem Leben die Erfüllung entziehen, und unsere Seelen wird es die Ewigkeit kosten.

Die einzige Maßnahme, die radikal genug ist, ist der Tod; der Tod unseres Ichs. Die Ich-zuerst-Haltung muß gekreuzigt werden. »Wenn jemand mir nachfolgen will«, erklärte Jesus immer wieder, »muß er sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und sein Leben lassen.« Was bedeutet ein solcher Tod? Er bedeutet, daß wir unser Leben freiwillig in Liebe und im Dienst für Gott und andere hingeben.

Doch hier haben wir es mit einem Wendepunkt zu tun, mit einem weiteren göttlichen Paradoxon. Dieses Sterben des Ichs _ dieses etwas von sich Geben, dieses Dienen _ schenkt uns genau das, was wir uns am meisten im Leben wünschen: Tiefe persönliche Zufriedenheit. Diese Erkenntnis teilte mir zum ersten Mal einer meiner Collegeprofessoren mit: »Zufriedenheit«, erklärte er mit starkem französischen Akzent, »wird nie daraus entstehen, daß ich mich nur um mich selbst und meine eigenen Wünsche kümmere.« Ich sehe mich noch in seinem Klassenzimmer sitzen, und spüre, wie mir der kalte Schweiß ausbricht. Seine Worte widersprachen allem, wovon ich bis dahin überzeugt gewesen war. Immer wieder betonte er: »Wenn du wirklich leben willst, dann gib dich für Gott und für andere hin. Widme dich treuem und demütigem Dienst, und du wirst Freude entdecken.«

Paß gut auf, Petrus!

Es ist eine Botschaft, die wir nur langsam erfassen. Petrus und die anderen Jünger haben sie nie ganz verstanden, bis Jesus gestorben war. Aber das hielt Jesus nicht davon ab, ihnen Sein Lieblingsthema immer wieder zu verdeutlichen. Während des letzten Mahles mit Seinen Jüngern erteilte er ihnen die vielleicht anschaulichste Lektion darüber, wie man anderen in Liebe dient.

Die zentralen Charaktere dieses Dramas sind erneut Jesus und Petrus. Den Schauplatz bildet das Obergemach, in dem Jesus Seine Jünger zum letzten Passahmahl versammelt. Nacheinander erscheinen die Jünger im Obergemach. Jeder von ihnen bemerkt, daß sich niemand an der Tür befindet, um ihnen die schmutzigen Füße zu waschen, wie es damals der Brauch war. Schmutzige Füße und niedrige Tische waren eine schlechte Kombination; jeder, der etwas auf sich hielt und zu einem Abendessen einlud, hatte auch einen Knecht von niederem Stand zur Hand, der diese Aufgabe ausführte.

Als die Jünger eintreten, wissen sie nicht, was sie tun sollen. Wer wird ihnen die Füße waschen? Warum hatte Jesus nicht dafür gesorgt, daß eine der weiblichen Nachfolgerinnen diese Aufgabe erledigte? Nicht einer von ihnen ist bereit, sich für diese Aufgabe herzugeben. Vielleicht war es ihnen nie in den Sinn gekommen.

Wie dem auch sei, schließlich setzen sie sich mit ungewaschenen Füßen an den Tisch. Während das abendliche Mahl aufgetragen wird, erhebt sich eine Diskussion, wer von ihnen der Größte sei. Jesus bricht es das Herz. Seine engsten Nachfolger argumentieren über Größe mit schmutzigen Füßen. Sie suchen Ehre, ohne sie zu verdienen. Gibt es nicht einen, so fragt Er sich, der seinem Bruder dienen will? Ist die Liebe, die sie erlernten, so kurzsichtig und so undankbar?

Was empfindet Jesus, als Er Sein Gewand auszieht und sich das Tuch eines Dieners umbindet? Todesangst, Bedauern, Sorge? Wäscht Er die Füße Seiner Jünger mit Seinen Tränen? Jesus hatte Seinen gesamten Dienst darauf verwendet, in ihnen eine Haltung von Demut und Dienen zu entwickeln, und jetzt, beim letzten Zusammensein vor Seinem Tod, ist niemand gewillt, den kleinsten Akt der Liebe auszuführen. Sie argumentieren über Größe und scheinen keine Ahnung davon zu haben, was das bedeutet.

Jesus geht von einem Jünger zum andern und wäscht und trocknet ihnen die Füße. Schließlich wäscht Er Petrus die Füße. Wie zu erwarten, gibt es eine Vielzahl von Mißverständnissen. Petrus sagt aufgebracht: »Nein, Jesus, niemals sollst du mir die Füße waschen.« Er beklagt die Vorstellung daß der Sohn Gottes sich überhaupt jemals so tief zu beugen habe. Die Antwort von Jesus betont wiederum die Wichtigkeit des Dienens: »Wenn ich dir nicht die Füße wasche, gehörst du nicht zu mir.« Worauf Petrus in seiner typisch extremen Art antwortet: »Dann wasch mir auch die Hände und das Gesicht.«

O Petrus. Ich kann mir vorstellen, wie Jesus ihn bei den Schultern faßt und schüttelt. »Paß gut auf, Petrus. Hör zu, hör diesmal wirklich zu, was ich versuche dir zu sagen. Schau auf meine Hände, Petrus. Sieh her, was sie tun. Nimm diese Lektion mit jeder Pore deiner Haut auf und laß sie tief in dein Herz eindringen. Solange du nicht den Sinn dieser Lektion erfaßt, kannst du nicht mein Nachfolger sein; du wirst in meinem Erlösungsplan keine Rolle spielen. Du mußt lernen, ein Diener zu sein, Petrus. Ein Diener.«

Jesus muß sich gefragt haben, was Er noch alles tun müßte, um Seinen Jüngern diesen Punkt klarzumachen. Was würde sie dazu bringen, die Lektion auch umzusetzen? Wie weit mußte Er noch gehen, um ihnen das Dienen zu verdeutlichen? Seine nächsten Handlungen zeigten, wie weit zu gehen Er bereit war. Er nahm das Brot und brach es und sprach: »Das ist Mein Leib, der für euch gebrochen wird.« Dann nahm Er den Wein und sprach: »Das ist Mein Blut, das für euch vergossen wird.«

In ein paar Stunden, in Seinem höchsten Akt des Dienens, würde Er am Kreuz sterben. Die Nägel, so hoffte Er, würden Seinen Standpunkt endlich klarmachen.


Aus »Hinabsteigen zur Größe« von Bill Hybels, erschienen bei One Way Verlag Wuppertal. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

Tip des Monats: The Willow Creek Association Ein kleiner Sprung über den Teich zur WCCC, wo Bill Hybels Gemeinde von inzwischen weit über 10.000 Christen in Chicago seit 20 Jahren zeigt, daß "die alte Botschaft", verpackt in einer zeitgemäßen Form, sehrwohl ankommt....