Handbuch für Sieger

Atlanta 96 - ein gigantisches Ereignis! Tausende von Sportlern kämpften um eine der 604 Goldmedaillen. Einige waren schon überglücklich, weil sie dabei sein konnten, andere ärgerten sich, weil es »nur« Silber geworden war. Gemeinsam ist ihnen allen, daß der Erfolg kein Zufallsprodukt war. Jahrzehntelange Erfahrung, detaillierte Ernährungspläne, minutiös ausgearbeitete Trainingsabläufe und computergesteuerte Bewegungsanalysen ebneten den Weg zu olympischen Ehren und ins Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Paulus, ein Experte für geistlichen Erfolg und offensichtlich auch Sportfan, zieht Parallelen zwischen sportlichen Trainingsmethoden und Voraussetzungen für einen geistlichen Durchbruch. Er schreibt das Handbuch für Sieger!

Ein Ziel haben

Wenn man irgendwo ankommen will, muß man vorher wissen, wo man hin will. Ein Läufer zum Beispiel muß sich entscheiden, ob er nur für die Gesundheit joggen oder Leistungssport treiben will. Dann kommt die nächste Entscheidung: Welche Strecke soll es sein _ Lang- oder Kurzstrecke?

»Alles tue ich für das Evangelium« sagt Paulus dazu. Er hatte sich entschieden, wußte, wohin er wollte. Am Ende seiner Ausführungen faßt er noch einmal zusammen und gibt uns damit weitere Hinweise auf sein Ziel: »Denn ich will nicht andere zum Kampf des Glaubens auffordern und selbst untauglich sein.« Brauchbar sein, das will Paulus, einen Glauben leben, der sich bewährt hat. Wenn er hier von einem erkämpften Siegespreis spricht, der »unvergänglichen Wert hat«, meint er damit nicht den Himmel, das ewige Leben. Dies bekommt der Christ geschenkt, aus Gnade. Paulus weiß aber auch, daß man als Christ so gerade eben ins Himmelreich eingehen kann (»... nur mit knapper Not.« 1. Kor 3,15) oder ausgezeichnet und mit Ehren versehen. Das ist es, was er mit allen Mitteln erreichen möchte.

Ein eindeutiges Ziel haben

Wo kommt man an, wenn man mehrere Ziele hat? _ Nirgends. Man wird einmal in die eine, dann wieder in die andere Richtung laufen und an keinem seiner beiden oder vielen Ziele ankommen.

Nicht alle Sportarten vertragen sich miteinander. Auch wenn ein Mehrkämpfer seinen Körper auf verschiedene Leistungen vorbereiten muß, hat ein Stabhochspringer mit dem Trainingsplan und der Figur eines Gewichthebers wohl kaum eine Chance.

Paulus: »Ich laufe nicht wie aufs Ungewisse...« Damit meint er: »Ich habe ein eindeutiges Ziel, welches klar erkennbar ist.« Er sah bei den Empfängern seines Briefes die Gefahr, daß sie versuchten, auf zwei Ziele zuzulaufen. Damit spricht Paulus ein Problem an, an dem auch heute viele Christen scheitern. Wir leben zweideutig, auf zwei Ziele zu. Das Ergebnis ist, daß wir an keinem der beiden Ziele ankommen und frustriert sind.

Ich will nah bei Jesus leben _ aber ich will auch meine Bequemlichkeit.

Ich will Sonntag morgen etwas aus der Predigt lernen _ aber ich will am Samstag auch den Spätfilm sehen.

Ich will Gott seinen Anteil an meinem Geld geben _ aber ich will auf nichts verzichten.

Ich will von Jesus erzählen _ aber ich will mich nicht blamieren.

Ich will großartige Erfahrungen mit meinem Herrn machen _ aber ich bin nicht bereit zum kleinen Dienst.

Ich will Verantwortung übernehmen _ aber ...

Es gibt im Leben viele Ziele, die einander widersprechen. Das heißt jedoch nicht, daß sie einander immer ausschließen. Wenn ich Gott seinen Teil an meinen Finanzen überlassen habe und meinen sonstigen finanziellen Verpflichtungen nachgekommen bin, kann ich auch ruhigen Gewissens einmal Geld für unnütze Dinge, für Luxus, ausgeben. Jedes Ding hat seine Zeit.

Da wo solche einander widerstreitenden Ziele jedoch aufeinander treffen, ist es unbedingt notwendig, daß ich vorher meine Prioritäten festgelegt habe. Nur wenn ich rechtzeitig entschieden habe, was an erster, zweiter und zehnter Stelle kommt, kann ich in kritischen Situationen gute Entscheidungen treffen. Wenn ich mir nicht ganz klar über mein Ziel bin, werde ich aus dem Gefühl heraus entscheiden, dann passiert das, was Paulus bekämpft. Mein Leib, meine »Bedürfnisse«, das, was momentan in mir am lautesten schreit, kriegt sein Recht.

Der Tip des Experten: Habe EIN Ziel.

Verzichten ist heute ein sehr unpopuläres Wort. Aber wer Christ sein will, ohne bereit zu sein, auch zu verzichten, wird weder ein freudiges und erfülltes Christsein erleben noch all die Dinge genießen können, die er meint, sich gönnen zu müssen.

Strebe dein Ziel
konsequent an

15 Kilometer laufen, eine Stunde schwimmen oder eine Tonne Metall stemmen, und das morgens, vor der Schule oder der Arbeit, während die Kollegen noch selig schlummern _ dazu gehört schon einiges, und das muß man wirklich wollen.

Sich mit dem Verstand gegen seinen Bauch durchzusetzen, nicht immer nur das tun, was man gefühlsmäßig gerade möchte, und das in einer Gesellschaft, in der es keine unerfüllbaren Wünsche mehr gibt _ dazu gehört schon einiges und auch das muß man wirklich wollen.

während die Menschen in seiner Umgebung nach dem Motto leben: »Ich will alles, und zwar sofort«, hat ein Christ ein anderes Ziel als den momentanen Lustgewinn. Paulus kennt das Geheimnis, wie das zu schaffen ist, im Sport wie im geistlichen Leben _ Selbstdisziplin!

»Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem;« Der Begriff, den Paulus hier verwendet, hat die Grundbedeutung »Macht, Herrschaft«. Macht über sich selber haben; sich selber beherrschen; sich selber kontrollieren; Ordnung im Leben haben; diese Gedanken schwingen hier mit.

Paulus beschreibt einen Sportler, der Selbstdisziplin übt. Er läßt sich nicht von seinen Trieben beherrschen, tut nicht das, wozu er gerade Lust hat, sondern tut das, was ihm hilft, sein Ziel zu erreichen. Er verzichtet auf die Dinge, die ihm dabei schaden könnten, sein Ziel zu erreichen.

Wenn ich weiß, daß bestimmte Filme nach 23.00 Uhr nicht gut für meine Phantasie sind, dann schalte ich den Fernseher aus, am besten schon, bevor der Film beginnt.

Das Gegenteil von Selbstdisziplin ist Zügellosigkeit. Ein Pferd, dem man keine Zügel angelegt hat, ist schwer zu lenken. Es läuft, wohin es gerade will. Ein Mensch, der sich selber im Zaum hat, läßt sich nicht von seinen Launen und momentanen Empfindungen diktieren, was er zu tun hat. Er kann zielbewußt leben.

»Tja, und damit hat sich dieser gutgemeinte Artikel erledigt«, mag so mancher denken, der schon oft genug mit seinen guten Vorsätzen gescheitert ist, nicht die Willensstärke aufgebracht hat, auch durchzuziehen, was er sich vorgenommen hat.

Aber sowohl Leistungssport als auch Christsein sind nichts für Einzelkämpfer und Autodidakten. Deshalb hat Paulus abschließend noch einen weiteren wertvollen Tip parat:

Arbeite mit
einem Trainer zusammen

Als Boris Becker meinte, er wisse jetzt schon alles über Tennis und brauche keinen Trainer mehr, schlug das sehr bald auf seinen Weltranglistenplatz durch. Von einem Fachmann in Grundkenntnisse eingeführt, während des Trainings und des Wettkampfes analysiert, ermutigt und auf Fehler hingewiesen zu werden, macht oft mehr als einen Klassenunterschied aus.

Das Schlüsselwort unseres Bibelabschnitts heißt Selbstdisziplin. Genau das gleiche Wort finden wir in Galater 5,23 in der Aufzählung der Frucht des Geistes. Hier ist es mit Keuschheit übersetzt und damit auf den sexuellen Bereich bezogen. Aber auch hier ist der Originalbegriff wesentlich umfassender: »Macht über sich selber haben, sich selber beherrschen, sich selber kontrollieren, Ordnung im Leben haben«, all das sind Bedeutungen dieses Wortes.

Das entscheidende ist, daß Selbstdisziplin nicht eine Forderung an den Christen ist, sondern eine Auswirkung seiner Gemeinschaft mit seinem Herrn Jesus Christus durch den Heiligen Geist; eben die Frucht des Geistes. »Lebet im Geist!« fordert Paulus die Galater und damit auch uns auf (5,16).

Geistliche Selbstbeherrschung hat somit nicht in erster Linie etwas mit meinem Charakter, meiner Willensstärke zu tun. Selbstbeherrschung ist eine Frucht des Wirkens des Heiligen Geistes in mir. Lebe in der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist. Gib ihm Raum, und vor allem: Reagiere auf seine Stimme,

wenn er dich daran erinnert, für welches Ziel du dich entschieden hast,

wenn er dich ermahnt, weil du auf dem besten Weg bist, zweideutig zu leben,

wenn er dich ermutigt,

wenn es doch mal daneben gegangen ist.

Gehe die Prioritäten deines Lebens also nicht im Vertrauen auf dein eigenes Urteilsvermögen und deine eigene Willensstärke an, sondern im Gebet und Gespräch mit deinem Herrn Jesus Christus.

Dabeisein ist schon großartig. Aber es gibt noch mehr, viel mehr. Willst du ein Hobbysportler sein, der vom Sessel aus die anderen kritisiert, die bessere Mannschaftsaufstellung kennt und besser weiß, wohin der nächste Paß zu spielen ist? Oder willst du aktiv am Wettkampf teilnehmen und einmal auf dem Treppchen stehen?

Andreas Bürgin