Immer noch kein Raum in der Herberge?

Ein Gastwirt im Gespräch mit...

... Josef

»Kein Zimmer frei - ich sagte es doch schon!

Ja, ja ich weiß, es ist spät, und nirgendwo gibt es mehr eine Bleibe. Mein Haus ist trotzdem voll!

Ja, ich s-e-h-e ihre Frau ist hochschwanger - es bricht mir das Herz, aber davon kann ich keine Extra-Unterkunft zusammenschustern! Nur ruhig Blut, das haben bisher noch alle Frauen irgendwie gemeistert - selbst auf der Durchreise... Nein - wie oft soll ich es denn noch wiederholen: Nicht mal das Gepäck könnten wir mehr unterstellen!

Meine Frau ist erschöpft und braucht ihre Nachtruhe so wie ich; schließlich müssen wir beide morgen wieder früh ran an die Arbeit - sonst könnten wir ja mal ausnahmsweise auf dem Boden schlafen - aber bei all unserem Streß im Beruf: Ausgeschlossen!

Na wenn sie sagen, ihnen ist a-l-l-e-s recht: Hinterm Haus ist ein alter Stall, da läßt sich vielleicht noch ein Eckchen für den Esel finden... und vielleicht ist es dicht an seinem warmen Fell sogar ganz gemütlich - schließlich hab' ich doch ein gutes Herz...!«

... den Hirten

»Was ist denn das für ein Krach mitten in der Nacht! Wer? Ach Hirten.

Was wollt ihr hier um diese Zeit?! Wir sind voll belegt und... Wer? Ach eure Herden... die ganze Nacht gehütet und bewacht - und was hat das mit mir zu tun?!

Doch nicht E-n-g-e-l ! Um alles in der Welt, so besoffen kann man doch gar nicht sein! Ihr solltet euch schämen... Gott hat durch Engel zu euch gesprochen, natürlich, und ich bin in Wirklichkeit der Großkonsul von Bagdad!... Zu nachtschlafender Zeit, wirklich unglaublich!

Selbstverständlich ist das mein Stall. Was brennt? Ein unwahrscheinlich heller Stern, ja, ja - jetzt reicht es mir aber: Schert euch... Wie? Ihr wollt da rein? Nichts da, keine Alkoholgelage auf meinem Grund und Boden! Außerdem schlafen dort, ahm, T-i-e-r-e. Laßt sie in Ruhe und macht euch davon! Nur kurz gucken? Macht doch was ihr wollt, ich will zurück ins Bett... Schlaft von mir aus dort euren Rausch aus - schließlich habe ich doch ein gutes Herz...!«

... den Weisen

»Hört die Störerei diese Nacht denn gar nicht _ oh, ahm... Euer Gnaden, ahm, ich meine: Meine sehr verehrten hohen, aber in unsere Ecke verirrt sich kaum ein so hoher Besuch! Was kann ich für Eure Durchlauchten tun?

Nun ja, wir sind eigentlich voll belegt, aber..., laßt mich überlegen... ich wäre geehrt, wenn ich Ihren Majestäten meine eigene bescheidene Bettkammer anbieten dürfte! Meine Frau kann mit den Kindern in der Küche schlafen, und ich selbst - ah, habe genug zu tun und bleibe einfach auf! Wir sind nur einfache Leute, aber es läßt sich immer etwas arrangieren...

Wie bitte beliebt es Euren Gnaden? Der S-t-e-r-n , sagt ihr... Natürlich, auch E-n-g-e-l! Ganz wie Ihr es sagt... Aber... durchaus, wenn Ihr gar kein Zimmer wünscht, natürlich. Bitte, beehren Sie uns wieder wann immer Sie diese Gegend - ob mir w-a-s bitte gehört?

Ach der S-t-a-l-l - natürlich! Nun, ahm, er ist nicht der sauberste, und es wimmelt nur so von Vierfüßlern darin... von einfachem Volk ebenso, und... Selbstverständlich, meine hochgelobten Gebieter, ganz wie Ihr es wünscht - mein Herz gehorcht all Euren Befehlen! Ich zeige ihn Euch auf der Stelle...«

... dem Herrn

»Oh Herr und Gott... Wie konnte ich ahnen, ich meine, niemals hätte ich mir träumen lassen, daß - unter meinem Dach - der König der Könige...

Was kann ich sagen? Wie kann ich mich entschuldigen für... ich, ahm, du...

Mein Haus? Es ist mein Lebensunterhalt... mein Lebensinhalt... du willst es??? Wie soll das gehen?!

Mein Herz? ...Es ist gebrochen... Jetzt ist es deins!«

Petra Piater

Frei nach einer Idee von Jim Hancock.