Perspektiven - Juni-Juli 2000
Inhalt: Das
Leben im Geist Christi Botschafter
Ich
bin der Herr, mein Gott

Das Leben im Geist
Von Klaus Kröger
Begriffe verstehen und ausleben
Geistestaufe
Wir finden den Begriff Geistestaufe
sieben Mal im Neuen Testament. Vier Mal als Prophezeiung Johannes des Täufers:
»Ich taufe euch mit Wasser zur Buße – aber er
wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen!« Ein Mal wiederholt Jesus
dies Täuferwort in Apostelgeschichte 1,5. Auch Petrus verwendet den Begriff,
als er an das Pfingstereignis erinnert: Apostelgeschichte 11,15+16. Und dann
folgt das entscheidende Wort des Apostels Paulus als siebte Nennung des Begriffs
in 1. Korinther 12,13: »Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib
getauft«. Das bedeutet: Alle Korinther, die durch Jesu Blut erkauft sind
(6,20), sind gerechtfertigt und geheiligt durch den Namen des Herrn Jesus und
den Geist Gottes (6,11). Sie waren in einen Leib eingegliedert und durch einen
Geist dazu getauft.
Alfred Kuen schreibt: »Wir können nicht den Christos
(d.h. den Gesalbten) in uns empfangen ohne sein Charisma
(seine Salbung) zu empfangen.«
Ich wiederhole: Wir können nicht den Gesalbten ohne seine
Salbung empfangen. Und nochmals: Wir können nicht Christus empfangen, ohne den Heiligen
Geist zu bekommen. Christus tritt in unserem Leben nur durch den
Heiligen Geist in Erscheinung. Seine Gegenwart ist die Gegenwart des Heiligen
Geistes. Und hier ist ein Weiteres wichtig:
Nicht wir bekommen, um zu verfügen – sondern er
kommt, um zu verfügen.
Taufe heißt – der Geist ist generell da und wir tauchen
in ihn ein, in seine Herrschaft, sein Regiment, seine Leitung. So wie sich
beispielsweise ein U-Boot oder ein Schwimmer dem Wasser anvertraut.
Paulus schreibt in Römer 8,9: »Wer aber Christi Geist
nicht hat, der ist nicht sein!« Das heißt nichts anderes als: Wer Jesus
glaubt und vertraut, sich ihm hingibt, hat den Heiligen Geist. Jesus nimmt unser
Leben an und stellt es unter die Kontrolle des Heiligen Geistes. Was ihm gehört,
übernimmt er auch! Das ist die eine Seite der Medaille. Die Geistestaufe
ist das Pfingstgeschehen: Der Geist ist ausgegossen über alles Fleisch.
Geistesfülle
Die andere Seite ist die, dass
wir uns immer wieder dieser neuen Besitzverhältnisse bewusst werden. Dass wir
dieser neuen Situation entsprechend leben, dass wir lernen zu fragen, dass wir
lernen nicht aus eigener Lust und Laune, sondern
nach seinem Willen zu leben.
Auf dieser anderen Seite geht es um unser Leben im Geist,
unser Leben aus der Fülle des Geistes. Geistesfülle bedeutet: Männer und
Frauen sollen voll Geistes sein. Der Begriff wird 14-mal von Lukas gebraucht.
Zum Beispiel in seinem Evangelium: 1,15; 1,41; 1,67, 4,1, oder in der
Apostelgeschichte: 4,8; 6,5; 7,55. Auch Paulus verwendet den Begriff in Epheser
5,18.
»Voll des« oder »erfüllt mit« sind Ausdrücke, die
Lukas und Paulus verschiedentlich verwenden: voll Tücke, voll Bosheit, voller
Weisheit, voll Glauben, voller Freude usw.
»Werdet voll Geistes«, ist eine Aufforderung, die Paulus
an die Gläubigen in Ephesus richtet. Voll Geistes werden heißt, täglich
auftanken, nachfüllen, aufmessen! Ein Reifen, der läuft, verliert Luft, und
wir wissen, was es bedeutet, mit falschem Luftdruck zu fahren. Und ein Körper,
der lebt und arbeitet, verbraucht Wasser, deshalb müssen wir trinken.
Wenn wir den Epheserbrief aufschlagen, lesen wir zunächst,
wie sehr uns Gott beschenkt hat. Zum Beispiel in Epheser 1. Siehe unter
Bibelstellen I.
Aber auch die anderen Verse in Kapitel 1 und das gesamte 2.
Kapitel sprechen von der wunderbaren Tat Gottes, seinem einzigartigen Geschenk
an uns und davon, was es bedeutet, dass wir in Christus sind.
Dann folgt die Fürbitte des Apostels für die Gemeinde in
Ephesus in 3,14-21. So weit, so gut – alles Geschenk, alles Gnade – und was
sollen wir noch tun? Nun beachten wir, dass nachdem Gott die Voraussetzungen
geschaffen hat, die Einforderung folgt. Kapitel 4 beginnt: »So ermahne ich
euch nun«. Das heißt: Wir müssen diese Gaben annehmen, ausleben,
bewahren, einsetzen, verteidigen, schützen usw.
Bitte lies die Bibelstellen unter II.
Du wirst in die Mitverantwortung genommen. Es wird nicht
nur einfach über dich verfügt, du wirst nicht beschenkt, ob du willst oder
nicht, sondern du bist mitverantwortlich. Wir bleiben nicht passiv –
sondern wir werden aktiv!
Gottes Prinzip des
Gebens und des Empfangens
Immer wieder finden wir in der
Bibel Verheißungen Gottes, die gefolgt werden von dem Befehl, diese Verheißungen
anzunehmen. Gott fordert von uns, ihn beim Wort zu nehmen!
Einige Beispiele findest du unter Bibelstellen III.
Josua empfängt etwa 30 Verheißungen und Zusicherungen der
Gnade und des Segens. Gleichzeitig bekommt er zirka 30 Befehle. In 5. Mose
finden wir 74-mal die Verheißung »Ich gebe euch das Land«, aber eben
einnehmen, annehmen, hingehen, dort leben und wohnen, das müssen die Kinder
Gottes selbst! Dies Prinzip ist im alten wie im neuen Bund gleich!!
Wie paradox es auch immer für uns klingen mag: Auf Gottes
Verheißungen, Gaben und Geschenke folgt untrennbar die Aufforderung zum
Glaubensgehorsam, zum Eifer, zum Dienst, zur Nachfolge. Einen deutlichen Beleg
hierfür finden wir in 2. Petrus 1,3-11 (Bibelstellen IV).
Doch zurück zum Epheserbrief:
Gottes Zusagen und Verheißungen müssen also ergriffen
werden und die Kraft, das zu tun, liegt im Heiligen Geist. Nochmals: Es geht um Fülle,
ganz und gar, immer volle Beziehung suchen, ganze Fülle ausschöpfen.
Unter Bibelstellen V findest du verschiedene Übersetzungen
von Epheser 5,18.
Der Text lehrt uns folgendes
A: Nicht betrinken
Betrinkt euch nicht; denn zu viel Wein verführt zu einem
liederlichen Lebenswandel. Und berauscht euch nicht mit Wein, worin
Ausschweifung ist. Der Begriff Spirituosen rührt her von Spiritus,
was soviel heißt wie: der Hauch, der Atem, der Lebensgeist.
Nun mahnt Paulus ausdrücklich vor allem Übergenuss. Und
doch tut er das so unvermittelt, dass hier auch eine Wahrheit zutage tritt: Ein
von Alkohol trunkener Mensch ist durch den
Alkohol beeinflusst. Er kann – wohlgemerkt kann eine
gelöste Zunge haben, kann sehr offen und frei über
Dinge reden, wo er sonst vielleicht eine Scheu hätte.
Er ist frei oder freier von der Menschenfurcht, die ja
eines der größten Hindernisse im christlichen Zeugnis ist. Wir haben heute im
natürlichen Leben eine Menge von Angeboten aller möglichen Wässerchen, Getränke,
Säfte mit oder ohne Alkohol – aber was wir brauchen ist Wasser, sprich
Heiligen Geist.
Jesus lädt ein: »Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!
Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen
sollten, die an ihn glaubten« (Joh 7,37 u. 39).
B: sondern trinken
Sondern wandelt im Geist. Werdet voll Geistes! Seid erfüllt,
begeistert, entschieden, gebt dem Geist nach und gebt ihm Recht. Macht keine
halben Sachen, füllt immer nach!! Jesus sagt in Johannes 10,10: »Ich bin
gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben sollen.«
Ein französischer Forscher wollte feststellen, wie
Menschen reagieren, die erleben, dass etwas für sie überaus Kostbares im
unaufhörlichen Überfluss da ist. Er brachte Beduinen aus der arabischen Wüste
in die Alpen.
Natürlich ist für jeden Beduinen Wasser der teuerste
Rohstoff. Wir müssen wissen, dass 70% der Weltbevölkerung kaum einen
unmittelbaren Zugang zu Trinkwasser haben. Beduinen reisen kilometerweit, um
eine Gegend zu finden, in der es vor kurzem geregnet hat. Die Gruppe war überwältigt,
als sie den ersten Wasserfall sah, in dem dieses kostbare Gut in Strömen
herunterfloss. Bisher hatten sie von einem Ort mit einem solchen Überfluss an
Wasser nur träumen können.
Sobald sie den Schock überwunden hatten, redeten sie
einige Zeit über dieses Phänomen. Als der Forscher vorschlug weiterzugehen,
bestanden sie darauf, noch eine halbe Stunde länger zu bleiben. Nach der halben
Stunde machte sich der Forscher fertig weiterzugehen, doch sie baten sich noch
weitere Zeit aus. »Wir sollten gehen«, sagte der Franzose. »Nein, wir müssen
bleiben«, antworteten sie. »Wir wollen hier warten, bis das Wasser zu Ende
geht.«
Ebenso schwierig, wie es für die Beduinen war, den
unbegrenzten Vorrat an Wasser zu verstehen, ist es für uns Menschen, den
Heiligen Geist zu erfassen (wie z.B. seine Liebe, seine Kraft oder auch seine
Herrlichkeit).
Am Abend brachte der Forscher die Gruppe in ein Hotel. Dort
waren sie von den Wasserhähnen genauso überwältigt wie von dem Wasserfall.
Sie ließen die Wasserhähne stundenlang laufen und warteten darauf, dass die
Quelle irgendwann versiegte. Schließlich fanden sie aber, dass sie diese
unbekannte Quelle nicht erschöpfen konnten. Als der Forscher am nächsten
Morgen seine Gäste abholen wollte, fand er sie dabei, wie sie die Wasserhähne
abmontierten. Sie wollten sie nach Hause in die trockene Wüste mitnehmen.
Liebe Leser, immer wieder appelliert Gott an uns, dass wir
sein Geschenk des Geistes, seine Kraft nicht ungenutzt lassen. Sie ist da –
aber Unvernunft, Uneinsichtigkeit, Ungehorsam usw. hindern uns daran, sie in
Anspruch zu nehmen. Gott hat uns seine Gnadenfülle angeboten und trotzdem sieht
es oft so kümmerlich und trocken bei den Christen aus. So viel Lieblosigkeit,
Eigennutz und Gleichgültigkeit. – So wenig Eifer, Freude und Zufriedenheit.
Warum?
Weil wir aus Halbherzigkeit leben, statt aus der Fülle!
Kehr heute um zur Quelle und trinke. Du wirst neue Kraft zum Weitergehen und zum
Dienst empfangen. Wir können nicht den Gesalbten ohne seine Salbung empfangen.
Und nochmals: Wir können nicht Christus empfangen, ohne den Heiligen Geist zu
bekommen. Christus tritt in unserem Leben nur durch den Heiligen Geist in
Erscheinung. Seine Gegenwart ist die Gegenwart des Heiligen Geistes. Er sagt
uns: »Ihr in mir und ich in euch« (Joh 14,20) »Denn ohne mich könnt ihr
nichts tun« (Joh 15,5). Das heißt andererseits: Aber mit und durch ihn können
wir immer wieder neu weitergehen und dienen.
Klaus Kröger
Bibelstellen
I
Epheser 1
4 Denn in ihm hat er uns erwählt,
ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein
sollten;
7 In ihm haben wir die Erlösung
durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade,
13 In ihm seid auch ihr, die ihr
das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit
- in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem
heiligen Geist, der verheißen ist.
II
Epheser 4
17 So sage ich nun und bezeuge in
dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der
Nichtigkeit ihres Sinnes.
18 Ihr Verstand ist verfinstert,
und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die
in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens.
Epheser 5
1 So folgt nun Gottes Beispiel
als die geliebten Kinder
2 und lebt in der Liebe, wie auch
Christus uns geliebt hat und
hat
sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen
Geruch.
3 Von Unzucht aber und jeder Art
Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für
die Heiligen gehört.
4 Auch schandbare und närrische
oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung.
Epheser 6
1 Ihr Kinder, seid gehorsam euren
Eltern in dem Herrn; denn das ist recht.
2 »Ehre Vater und Mutter«, das
ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat:
3 »auf dass dir’s wohlgehe und
du lange lebest auf Erden« (5. Mose 5,16).
4 Und ihr Väter, reizt eure
Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn.
III
5.
Mose 1,21
Sieh her, der HERR, dein Gott,
hat dir das Land hingegeben; zieh hinauf und nimm’s ein, wie der HERR, der
Gott deiner Väter, dir zugesagt hat. Fürchte dich nicht und lass dir nicht
grauen.
5. Mose 2,24
Macht euch auf und zieht aus und
geht über den Arnon! Siehe, ich habe Sihon, den König der Amoriter zu Heschbon,
in deine Hände gegeben mit seinem Lande. Fange an, es einzunehmen, und kämpfe
mit ihm.
5. Mose 3,18
Und ich gebot ihnen zu der Zeit:
Der HERR, euer Gott, hat euch dies Land gegeben, um es einzunehmen. So zieht nun
gerüstet vor euren Brüdern, den Israeliten, her, all ihr Kriegsleute.
IV
2. Petrus 1
3 Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit
dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der
uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft.
4 Durch sie sind uns die teuren
und allergrößten Verheißungen geschenkt, damit ihr dadurch Anteil bekommt an
der göttlichen Natur, die ihr entronnen seid der verderblichen Begierde in der
Welt.
5 So wendet alle Mühe daran und
erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis
6 und in der Erkenntnis Mäßigkeit
und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Frömmigkeit
7 und in der Frömmigkeit brüderliche
Liebe und in der brüderlichen Liebe die Liebe zu allen Menschen.
8 Denn wenn dies alles reichlich
bei euch ist, wird’s euch nicht faul und unfruchtbar sein lassen in der
Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus.
9 Wer dies aber nicht hat, der
ist blind und tappt im Dunkeln und hat vergessen, dass er rein geworden ist von
seinen früheren Sünden.
10 Darum, liebe Brüder, bemüht
euch desto mehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr dies
tut, werdet ihr nicht straucheln,
11 und so wird euch reichlich gewährt
werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilands Jesus Christus.
V
Epheser 5,18
Elberfelder:
»Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet
voller Geist.«
Gute Nachricht:
»Betrinkt euch nicht; denn zu viel Wein verführt zu einem liederlichen
Lebenswandel. Lasst euch lieber vom Geist Gottes erfüllen.«
Hoffnung für Alle:
»Betrinkt euch nicht; das führt nur zu einem liederlichen Leben. Lasst euch
vielmehr von Gottes Heiligem Geist erfüllen.«